Leïla Slimani

All das zu verlieren

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Kann man sich zu seinem Glück zwingen? Prix Goncourt-Preisträgerin Leïla Slimani erzählt von der Zerrissenheit einer Frau. Nach außen hin führt Adèle ein Leben, dem es an nichts fehlt. Sie arbeitet für eine Pariser Tageszeitung, ist unabhängig. Mit ihrem Ehemann, einem Chirurgen, und ihrem kleinen Sohn lebt sie in einem schicken Viertel, ganz in der Nähe von Montmartre. Sie reisen, sie fahren übers Wochenende ans Meer. Dennoch macht Adèle dieses Leben nicht glücklich. Gelangweilt eilt sie durch die grauen Straßen, trifft sich mit Männern, hat Sex mit Fremden. Sie weiß, dass ihr die Kontrolle entgleitet. Sie weiß, dass sie ihre Familie verlieren könnte. Trotzdem setzt sie alles aufs Spiel.

Die blutende Libido entstellter Weiblichkeit

Von: Sandra Falke Datum: 05. August 2021

Slimanis großartiger Roman schneidet auf emotionaler Bahn tief unter die Haut und entblößt die enorme Gewalt einer bodenlosen Begierde, die sich in zerstörerische Sucht verwandelt. Auch wenn Adéle innerhalb ihrer Lebensskizze nur Vorteile genießen und sich glücklich schätzen sollte, sehnt die junge Schönheit sich ausschließlich danach, von fremden Männern begehrt und besessen zu werden. Nichts anderes kann die Leere füllen und die Angst beseitigen, die sie ständig empfindet. Obwohl sie täglich versucht, sich von ihrer Begierde zu lösen, eine liebevolle Mutter und loyale Ehefrau zu werden, gibt die Protagonistin sich mehr und mehr der dunklen Seite ihres Wesens hin. Im Grunde genommen ist Adéle also selbst das Ungeheuer geworden, dem sie sich unterwerfen möchte. Den Volltext mit Lieblingszitaten, Infos zur Autorin und weiteren Leseempfehlungen findest Du auf sandrafalke.com, Link im Profil. Neue Rezensionen zu Klassikern und Neuerscheinungen der Weltliteratur erscheinen wöchentlich, ein Abo lohnt sich!

All das zu verlieren

Von: Buchwoerter Datum: 23. March 2021

• ALL DAS ZU VERLIEREN • Leila Silmani ist bereits eine bekannte Literatur-Autorin. Doch erst jetzt habe ich ein Buch von ihr gelesen, obwohl ihre Romane hochgepriesen und bereits einige Preise abgesahnt haben. Um ehrlich zu sein, das Buch hat mich wirklich von der ersten bis zur letzten Seite gepackt. Adéle ist eine mehr oder minder erfolgreiche Journalistin in Paris. Auf den ersten Blick kann man sie um ihr Leben beneiden: sie ist verheiratet, finanziell abgesichert, hat einen guten Job mit vielen Auslandsaufenthalten und scheint zudem mit dem perfekten Mann verheiratet zu sein. Doch hinter der künstlich aufgebauten Fassade steckt mehr: Adéle begehrt und zerstört somit Stück für Stück ihr Leben. Auf den ersten Blick dachte ich, dass mir Adéle niemals sympathisch sein kann, doch Slimani schafft es, dass mir ihre Welt plausibel erscheint. Diese Zerrissenheit zwischen Aushalten und Selbstbestimmung ist einfach sehr gut geschrieben. Ihr Doppelleben und ihre krankhafte Art sich Männer an den Hals zu werfen ist geradezu beängstigend. In den Zwischenzeilen bemerkt man dennoch den großen Schmerz, den Adéle in sich trägt. Slimani schafft es, dass man in das Innere von Adéle und Richard blicken kann und bemerkt die unterschiedlichen Gefühlslagen angefangen von Liebe bis hin zu Hass. 📖 Für mich ist „All das zu verlieren“ ein wirklich guter Roman, der ein absolutes Randthema bedient. Bisher habe ich noch keinen Roman gelesen, der in dieselbe Richtung geht bzw. so gut die Zerrissenheit, Abhängigkeit und Liebe der Protagonistin ausdrucksstark schildert. [4/5]

Beeindruckende, kraftvolle Sprache, die mich bedrückt zurücklässt

Von: Emelie.Ellen Datum: 25. January 2021

Um was gehts? Adèle steht eigentlich mitten im Leben. Hat einen festen Job als Journalistin und ein kleines Kind mit ihrem erfolgreichem Mann. Aber sie möchte aus dieser Welt ausbrechen. Immer wieder sucht sie das Abenteuer mit fremden Männern und kann dieser Sehnsucht nicht nachgeben, da sie so stark ist. Wie hat es mir gefallen? 👍 Wie oben schon angedeutet, hat mich das Buch schon arg mitgerissen. Slimani schreibt so kraftvoll, bildlich und schonungslos. Anfangs kam mir Adèle sehr gefühlskalt und berechenbar vor, das hat sich im Laufe des Lesens aber geändert. Ich habe mit Adèle mitgefühlt und mein anfängliches Unbehagen ihr gegenüber ist verschwunden. Das Buch hinterlässt ein bedrückendes Gefühl bei mir. Trotzdem beeindruckt mich die Geschichte sehr und wird sicherlich nicht mehr so schnell aus meinem Kopf verschwinden, da ich richtig eintauchen konnte. Aber Achtung! Es ist absolut nichts für schwache Gemüter. Sexuelle Gewalt und toxische Menschen spielen eine zentrale Rolle! ⚠️

Düster und verzwickt

Von: Fraedherike Datum: 25. May 2020

People who are never satisfied destroy everything around them. All das zu verlieren von Leïla Slimani ist im Mai 2019 erstmals in deutscher Auflage erschienen und erzählt die Geschichte von Adèle. Die junge Frau scheint ein erfülltes Leben zu füllen: Sie arbeitet als Journalistin für eine große Pariser Zeitung, wohnt mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn in einem schicken Viertel und ist unabhängig. Doch sie ist nicht glücklich: Immer öfter versucht sie aus der familiären Enge auszubrechen, trifft sich mit anderen Männern, um Sex zu haben und Drogen zu nehmen. Sie weiß, dass sie damit all ihre Privilegien, ihre Familie verlieren könnte, und setzt trotzdem alles aufs Spiel. Adèle ist eine sehr vielschichtige Protagonistin, die von all ihren Sehnsüchten nach Abenteuer, ihrer Lustlosigkeit gegenüber ihrer Ehe und dem damit verbunden Schwermut zerrissen wird. Eindringlich beschreibt die Autorin ihre zugleich stille und explosive Selbstzerstörung und obsessive Manie. Der erste Teil des Romans wird aus der Sicht von Adèle beschrieben, was diesen Effekt noch verstärkt und ihre Gedanken und Gefühle verdeutlicht. Die Kapitel sind kurz verhaltene Eindrücke und erzeugen ein schnelles Tempo, das seinen Höhepunkt in der Entdeckung der Affäre findet. Von da an ändert sich der Charakter von Adèle grundlegend und hält den Leser bis zu ihrer letzten Handlung in Atem. Leila Slimani hat einen denkwürdigen Roman über Feminismus, Verlustängste und kaputte Familienstrukturen, der individuell großen Interpretationsspielraum lässt. Jeder sollte sich selbst einen Eindruck verschaffen und seine eigenen Ansichten damit abgleichen. Vielen Dank an den Luchterhand-Verlag für das #Rezensionsexemplar!

Das Tanzen am Abgrund beherrschen ihre Protagonisten in Perfektion

Von: Buch & Schöpfer Datum: 08. May 2020

Das Tanzen am Abgrund beherrschen ihre Protagonisten in Perfektion. Leïla Slimani erschafft weibliche Charaktere die jeden Psychologen gespannt aufrecht im Sessel sitzen lassen. Adèle ist eine Frau mit äußerer gutbürgerlichen Fassade, aber innerlich leer und ihre Seele scheint weit weg. Für mich eine psychologisch hochinteressante Charakterzeichnung einer Frau, die scheinbar alles hat und doch alles sucht. Zwiespältig, ängstlich und trotzdem geht sie auf volles Risiko. Als hätte sie Angst um ihr Leben und doch wirft sie es weg. Innere Leere treibt sie beinahe nymphoman in sexuell außergewöhnliche Situationen. Sie erinnern an Rape-Fantasien zwischen zwei zustimmenden Erwachsenen und scheinbar unstillbarer Lust, die nie gänzlich befriedigt werden kann. Die depressive Leere die sie in sich spürt, kann niemand von außen ausfüllen. Ein wirklich sehr interessanter Roman mit faszinierenden Charakteren! Fazit: Beide Bücher, welche ich von Leïla Slimani gelesen habe, kann ich wieder mal ausnahmslos empfehlen. Die Autorin ist zurecht eine der gefragtesten in Frankreich und ebenso weltweit. Spannende Charaktere und aufregend erzählt. Sie schreckt vor keinem Thema oder Stigma zurück: erweiterter Selbstmord, Sexbesessenheit, Depression, Borderlinestörung und das negative Erleben der Mutterrolle. In diesen beiden Werken setzt sie sich hauptsächlich mit weiblichen psychopathischen Rollen auseinander und gibt erschreckende und faszinierende Einblicke in düstere Seelen. Der grandiose Erzählstil der Autorin sowie die sehr gelungenen Übersetzungen von Amelie Thoma überzeugen auf ganzer Linie. 

All das zu verlieren

Von: echo_books Datum: 27. April 2020

Adèle könnte eigentlich glücklicher nicht sein. Sie hat einen Mann, einen kleinen Sohn und wohnt in einem Pariser Schickeria-Viertel. Nach außen hin erscheint alles perfekt, aber nur, weil Adèle dieses glückselige Familienporträt als Deckung benötigt um ihre eigentliche Identität zu verbergen. Denn Adèle führt ein Doppelleben und ihre Nymphomanie bestimmt all ihr Handeln. Sie trifft sich zwischen Tür und Angel mit Männern, das Äußere dieser ist ihr dabei völlig egal. Im Gegenteil, je vulgärer ihre Männer aussehen, desto besser. Immer nur kurz hält die Befriedigung an und man hetzt als Leser*in hinter Adèle her, die auf der Suche nach einem neuen Kick ist. Ich musste an das Verhalten autoaggressiver Menschen denken, die sich erst richtig spüren, wenn sie sich Verletzungen zufügen. Man ahnt direkt zu Beginn der Geschichte, dass dieses Doppelleben nicht ewig so weitergehen kann, dass Adèle auf ein Unheil zusteuert und es einen großen Knall geben wird. Irgendwie bangt man doch um sie als man ihre ausweglose Lage erkennt und merkt, dass sie einfach nicht aus ihrer Haut kann. Sympathisch ist diese Figur trotz allem nicht, sie ist egoistisch und angeödet von allen Menschen, denen sie begegnet. Ja, nicht nur das, sie fühlt sich teilweise überlegen und das ist meiner Meinung nach auch das Perfide an diesem Buch. Adèle ist einfach kein sympathischer Mensch, mit dem man tatsächlich großes Mitleid empfinden würde und trotzdem fühlt man ihren Schmerz und ihr ausgezehrtes Inneres. Sie macht wütend und traurig zugleich, lässt einen fassungslos zurück. Slimani schreibt aus Sicht von Adèle und ihrem Mann und ich finde, letzterem hätte gar nicht bedurft. Auch so war die ganze Tragweite der Handlung zu spüren. Es war stellenweise wirklich harte Kost, ich musste das Buch immer mal wieder weglegen, um eine Pause einzulegen und über das Gelesene nachzudenken. Aber genau das schätze ich einfach so an Büchern: Wenn sie wehtun, zum Nachdenken anregen und auch mal unbequem sind.

Leila Slimani schreibt nichts für romantische Seelen! Ein Roman, der jede Gesellschaftsnorm auf den Kopf stellt und Chaos hinterlässt.

Von: das_lese_wesen Datum: 08. April 2020

Auf den ersten Blick führt Adéle ein nahezu perfektes Leben: Journalistin einer Pariser Tageszeitung. Verheiratet mit einem Chirurgen. Ein kleiner Sohn. Wohnhaft in einem schicken Viertel. Doch dieses bürgerliche Durchschnittsleben langweilt sie, erfüllt sie nicht. Stattdessen lebt sie mit anderen Männern ihre sexuellen Obsessionen aus.⠀ ⠀ #allesdaszuverlieren von Leila Silmani ist kein Roman für romantische Seelen. Sondern einer, der mit den bürgerlichen Sexualnormen bricht. Der alles auf den Kopf stellt. Abstand nimmt von einem perfekten Familienideal. Adéle kann damit nichts anfangen. Essenseinladungen. Smalltalk. Gesellschaftliche Normen und Zwänge. Sie fühlt sich getrieben. Angetrieben, sich anderen Männern hinzugeben. Wahllos. Nicht nur den reichen und attraktiven, sondern auch den schmuddeligen. Immer. An jedem Ort. Brutal, erniedrigend, aber immer begehrend. Diese sexuelle Unterwerfung ist ihr Gefühl für Lebendigkeit. Sie betrügt ihren Mann nach Strich und Faden. Sie führt ein Doppelleben. Das auffliegt. Aber nicht wirklich endet. Auch nicht, als ihr Mann alles erfährt.⠀ ⠀ Ein lapidarer, grausamer Roman, in dem der Leser hin- und hergerissen ist zwischen Verständnis und Abscheu. Man fühlt sich immer wieder ertappt dabei, wie sich Wohlwollen für diese Frau entwickelt. Die eine tiefe existenzielle Einsamkeit empfindet. So viel ist klar. Alles andere bleibt im Dunkeln. Eine Geschichte in konsequenter Sprache, die wichtige Antworten verweigert.

Ein Doppelleben voller Lügen

Von: fredi.liest Datum: 20. October 2019

In Leïla Slimani’s Roman „All das zu verlieren“ hat die in Paris lebende Journalistin Adèle eigentlich alles und könnte mit ihrem Leben zufrieden sein: Einen Arzt als Ehemann, einen kleiner Sohn, einen Job bei einer Zeitung. Doch diese konservativ-bürgerliche Welt engt Adèle eher ein. Sie flieht immer wieder in ihr Doppelleben, in ihre Affären auf eine fast krankhafte und suchtstrukturierte Art, sucht sie sich scheinbar wahllos bekannte und unbekannte Männer. Und um diese Affäre zu verstecken, lügt sie alle an: ihren Mann, Sohn, Chef und hält ihre beste Freundin Laura als vermeintliches Alibi hin. Ruhe in ihrer Familie kann sie nicht finden, ihre Arbeit langweilt sie zunehmen. Ihr Interesse gilt allein ihren sexuellen Obsessionen. Adèle Leben ist ein Aushalten dieser Obsession, ein Kampf mit sich und der inneren Zerrissenheit: „Seit einer Woche hält sie durch. Eine Woche schon ist Adèle standhaft geblieben. Vernünftig.“ Die Zurückhaltung ihrer Sexualität fällt ihr schwer, schwermütig, lustlos beugt sie sich dem Scheinfrieden ihrer Ehe, den Essenseinladungen und dem Leben auf dem Land, welches einem Gefängnis gleicht. Ich bin mir unsicher ob man in Adèle eine Nymphomanie, mit einer stillen Selbstzerstörungskraft oder ein Versuch des Ausbruches aus den Unfreiheiten und der Ausweglosigkeit des Lebens lesen kann. Slimani schafft es die stillen Abgründe ohne vulgäre Beschreibungen in sachliche Worte zu fassen und die Spannungen von Adèles Leben zu beschreiben.

Außergewöhnlich

Von: Buchlieblich Datum: 20. September 2019

Adele: Oberflächlich betrachtet hat sie ein perfektes Leben. Einen Liebenden Ehemann, einen gesunden Sohn und einen tollen Job als Journalist. Aber was, wenn dich so ein Leben nicht erfüllt. Genau damit beschäftigt sich die Autorin hier. Adele fühlt sich gefangen in ihrer Ehe, das Mutter sein erfüllt auch nicht das was es verspricht und ihr Job langweilt sie. Sie hat Bedürfnisse, will gesehen und geliebt werden. Will spüren. Und das erreich sie, in dem sie ihren Mann betrügt. Immer und immer wieder. Es ist aufregend, sie fühlt sich begehrt und entflieh für einige Momente ihrem Alltag. Gleichzeitig will sie aufhören. Sie hat Angst, dass ihr Mann es erfährt und sie alles verliert. Sie ist zerrissen. Die Autorin beschreibt den Abgrund an dem Adele steht. Und man wünscht sich manchmal, dass sie fällt. Und als es dann passiert leidet man mit ihr und ihrem Ehemann. Literatur vom Feinsten 👌🏼

Ein schonungsloser Roman, der einen Blick hinter die Fassade einer perfekten, kleinen Familie wirft und dabei hervorragend beschreibt, was in den Figuren vorgeht.

Von: Goldene Seiten Datum: 15. September 2019

Adèle ist gelangweilt von ihrem Leben an der Seite ihres Mannes in Paris. Sie versucht immer wieder verzweifelt "normal" zu sein und sich in ihr Leben einzufügen: "Sie wird ihr Leben ausmisten, sich nach und nach ihrer Ängste entledigen. Sie wird tun, was von ihr verlangt wird." Es klappt nicht. Immer wieder geht Adèle mit fremden Männern ins Bett und lässt sich teilweise von ihnen körperlich misshandeln, um sich zu spüren. Sie ist süchtig nach Sex und dem Kick, den es ihr gibt, Männer zu verführen. Die Autorin beschreibt Adèles Zwiespalt eindrucksvoll, ihr Schreibstil ist klar, fast brutal, sie beschönigt nichts. Auch wirft sie einen Blick auf Adèles Mann, der eines Tages herausfindet, dass seine Frau ein Doppelleben führt: "Er hätte jemanden anrufen, sich an der Schulter eines Freundes ausweinen können. Doch wie hätte er es erzählen sollen? Was hätte er sagen sollen? Adèle glaubt sicher, dass er aus Scham mit niemanden darüber spricht. Dass er lieber sein Gesicht wahrt, als den Beistand freundschaftlichen Mitgefühls zu suchen. Sie muss denken, dass er Angst hat, als Gehörnter dazustehen, gedemütigt. Doch er pfeift darauf, wie die anderen ihn sehen. Er fürchtet vielmehr, was sie über Adèle sagen werden, wie sie sie abstempeln, sie heruntermachen werden. Am meisten fürchtet er, dass sie ihn zu einer Entscheidung drängen, dass sie mit überzeugter Miene sagen: "Unter diesen Umständen, Richard, kannst du sie nur verlassen." Über Dinge zu reden macht sie irreversibel." Ein schonungsloser Roman, der einen Blick hinter die Fassade einer perfekten, kleinen Familie wirft und dabei hervorragend beschreibt, was in den Figuren vorgeht.

Verstehen lernen, was verloren wird - und wer

Von: Wortesammlerin Datum: 02. September 2019

Es liest sich, wie es wirken soll – im Rausch. Mit knappen, kühlen Worten erzählt Slimani die Geschichte von Adèle und ihrer Sucht nach Sex und Männern, nach Unterdrückung und Eskapismus. Dabei hat sie alles, die junge Französin, Journalistin, Ehefrau und Mutter eines heißgeliebten Sohnes. Aber wer hat heutzutage noch alles und ist glücklich damit? Das fragt dieser Roman irgendwie frech, aber auch brutal und ehrlich. Dabei geht es ja gar nicht um Adèle. Es geht um ihren Mann, der erfahren muss, dass seine heißgeliebte Frau ein Handy besitzt, in dem all diese Namen und Nummern gelistet sind, mit den schmutzig klingenden Worten in den unzähligen Nachrichten, alle getippt von Männern mit Zungen, die kurz zuvor im Halse seiner Frau steckten. Er ist derjenige, der reagieren muss und der der Frage gegenübersteht, was falscher ist: Mit der Frau zusammenzubleiben, die ihre Ehe mit Füßen getreten hat, oder die Mutter seines Sohnes verlassen, mit der er viele Jahre schon glücklich zusammenlebt? Doch auch darum geht es doch nicht. Das Buch stellt subtil die Frage, wohin Sexsucht einen Menschen treiben kann, wie man sich fühlt, wenn die Lust zu Dingen antreibt, die anwidern, wie es sich mit der Schuld leben lässt, an der keiner Last tragen kann. Oder doch? Adèle ist im Grunde eine furchtbare Frau und kann sich selbst nicht hassen, hasst dafür ihren Job, ihre Spießigkeit und die Idee, mit ihrem Mann alleingelassen auf dem Land zu leben. Kann man sie dafür hassen, dass sie so ist wie sie ist und Angst vor der Alternative hat – allein zu sein? Kann man sich ein Urteil über eine Mutter erlauben, die ihren Sohn nicht zurücklassen kann und deswegen in einer Ehe mit einem Mann bleibt, den sie vielleicht nicht liebt, vielleicht langweilig findet, manchmal verabscheut oder sich sogar über ihn lustig macht? Ist sie boshaft, gemein; Und musste sie nicht so werden, wegen der nicht weniger boshaften Mutter und wegen des passiv-ruhigen Vaters ohne Meinung, Eltern, die sie womöglich in ein Leben getrieben haben, das sie nicht wollte, weil sie vor ihnen flüchten musste, um sich selbst zu retten? Womöglich ist Adèle nichts als eine verzogene Göre, die mit nichts zufrieden ist und in ihrer Unersättlichkeit die Unterdrückung dieses Selbst sucht, die sich mit nichts zufriedengeben kann, weil sie es nie gelernt hat. All diese Fragen wirft Slimani auf, wenn sie Adèles Geschichte erzählt. Es geht um Schuld, Verständnis, Wut und Liebe, um ihre Zusammenhänge und um Sex. Viel Sex. Und trotz der Körperlichkeit hält sie sich im Roman an der poetischen Sprache fest, die ihren Figuren das Rückgrat geben, das sie brauchen, um nicht ungelenk zu wirken. Sie fasst ein Gefühl auf, eine Unzufriedenheit vielleicht, aber noch mehr das Fragende dahinter. Sie gibt uns eine unsympathische Heldin und ein Leben im Nihilismus, das wir zu verstehen haben, während die Autorin uns keine Anhaltspunkte gibt, wonach zu fragen ist, wer unzufrieden ist oder sein soll – und am allerwenigsten, wer Recht hat. Damit ist mit diesem Roman ein Schwung gelungen, der sich kaum in Worte fassen lässt. Natürlich geht es dabei um das, was zu verlieren ist, aber die aufgeworfenen Fragen sind dabei das eigentlich meisterhafte. Der Leser ist gefordert, man soll richten und in sich horchen, wer gerade welchen Fehler macht. Und als Antwort kommt dabei womöglich die eine oder andere Überraschung heraus. Welche – dafür sollte dieses grandiose Buch gelesen werden.

Dringende Leseempfehlung

Von: Bücherverrückt Datum: 06. August 2019

Slimani schreibt schwarz-weiß, ohne auszuschmücken, ohne die Wahrheit zu verzerren oder sich zurückzunehmen - das pure Leben - direkt, roh und unverblümt und bewahrt dabei Distanz zum Leser obwohl sie durch diese intime Themen dennoch eine Verbindung zum Leser aufbaut und in dessen Gedanken eindringt.

All das zu verlieren (Befiredigend)

Von: Filme, Buecher and more Datum: 04. August 2019

Adéle führt ein eigentlich tolles Leben, ist verheiratet mit ihrem Mann Richard und den Sohn der beiden. Doch in Wirklichkeit ist es nicht so, wie es nach außen hin scheint. Adéle ist in ihrem Leben hin und hergerissen. Wünscht sich auf der einen Seite ein anderes Leben, hat auf der anderen Seite jedoch Angst davor, alles zu verlieren. Das was die Sache nochmals erschwert, ist die Tatsache, dass Adéle Sex mit anderen Männern hat, wovon ihr Mann Richard jedoch nichts wissen darf. Das Buch “All das zu verlieren” hat keine typischen Kapitel, sondern viel mehr Absätze. Einige der Absätze behandeln dabei die Vergangenheit der Protagonistin (welche von Beginn an nicht sonderlich sympathisch zu sein scheint), wodurch sich der/die Leser/-in nach und nach, immer mehr Puzzleteile der Protagonistin bekommt. So lässt sich das Verhalten der Charaktere, im Laufe des Buches auch immer besser verstehen. Leider wurde hier einiges an Potenzial nicht ausgeschöpft und es bleibt noch Luft nach oben, denn 100 % nachvollziehen lässt sich das Verhalten der Protagonistin leider nicht immer (und das bis zum Ende des Buches). Allgemein wird die Protagonistin des Buches deutlich genauer beleuchtet, als alle anderen, im Buch vorkommenden Charaktere. Dies ist aber auch zu verstehen, da es im Buch eindeutig um das Leben von Adéle geht, einer Frau, die ständig auf der Suche nach Glück ist, dies jedoch nie vollends erreicht. Dementsprechend Negativ ist die Grundstimmung des Buches und das bis zum Ende hin. Auf jeder Seite bekommt der/die Leser/-in dabei einen neuen, teilweise erschreckenden Einblick in die psyche der Protagonistin, der garantiert polarisiert. Positiv zu nennen sind bei dem Buch allerdings der Schreibstil der Autorin (Leïla Slimani), denn dieser ist die ganze Zeit über recht flüssig zu lesen und zu jedem Zeitpunkt leicht verständlich (wenn auch nicht immer nachvollziehbar, siehe oben). Cover: Das Cover des Buches “All das zu verlieren” ist in zwei Farben (gelb und grau) unterteilt. Hier zeigt sich eventuell schon die Tatsache, dass die Protagonistin zwei Seiten/Leben hat?! Eventuell ist die gelbe Farbe dabei sogar ein Indiz auf Frankreich, wenn man an den Eifelturm denkt?! Außerdem sehen wir eine rauchende Frau, bei der es sich scheinbar, um die Protagonistin selbst handelt. Diese Frau steht dabei genau in der Mitte, der zwei kontrastreichen Farben (wie im Leben der Protagonistin selbst). Der Titel (All das zu verlieren) des Buches, steht auf der gelben Seite und passt wirklich gut zum Inhalt des Buches (spätestens nach dem Lesen wird einem klar, wieso das Buch diesen Titel trägt). Insgesamt gefällt mir das Cover von “All das zu verlieren” gut und es ist passend zum Inhalt. Es wirkt zwar leicht minimalistisch und ist nicht auf den ersten Blick zu verstehen, allerdings ist das für mich keineswegs negativ. Fazit: Leïla Slimani hat ein Buch geschaffen, welches bis zum Ende hin, mit Trauer durchtränkt ist. Die Handlungen der Charaktere sind dabei erschreckend zu lesen, leider aber nicht immer nachvollziehbar und das ist in meinen Augen, für ein Top Buch, wichtig. Auch nach dem Ende des Buches bleibt eigentlich nicht viel zurück, außer einer eventuell negativen Stimmung, von der man sich hat anstecken lassen. Der Schreibstil und die Sprache des Buches lassen sich allerdings gut und flüssig lesen. Mich konnte das Buch also nicht wirklich überzeugen, weshalb ich nur auf 3/5 Sterne komme.

Berührend, schockierend und mitreißend

Von: DaniS Datum: 03. August 2019

Dieses Cover werde ich mir merken, denn es zählt bis jetzt zu meinen Favoriten des Jahres 2019. Aber vor allem auch der Text von Leïla Slimani verdient es, in Jahresrückblicken ganz oben genannt zu werden. Adèle, eine junge, unabhängige Journalistin, lebt mit Mann und Kleinkind in einem coolen Viertel in Paris, nicht unweit von Montmartre. Das hört sich jetzt mal ziemlich einfach an, doch Adèle hat ein großes Problem und nur ihre beste Freundin weiß anfangs darüber Bescheid. Adèles Ehe ist eher langweilig, zweckmäßig, ihr Mann möchte aufs Land in ein Haus ziehen. Die junge Frau liebt aber die Stadt, die Anonymität, die Männer – und hat sogar ein Zweithandy, von dem ihr Mann keine Ahnung hat. Das Kind wird geliebt, aber auch öfter abgegeben, damit die junge Frau ihre Zeit für sich hat. Natürlich kommt es auch dann zu einer Katastrophe, die für die Jungfamilie nicht folgenlos bleibt. Nicht die Auflösung der Geschichte ist es, die beim Lesen so fesselt und nicht loslässt, sondern die Art und Weise, wie Slimani erzählt. Die Tiefgründigkeit zwischen den Zeilen, die melancholische Stimmung, die erzeugt wird und die schonungslose Beschreibung halten die Spannung aufrecht und trotz der heiklen Thematik – Fremdgehen, Lügen, Betrügen, Alkohol, … – kann man mit der Protagonistin mitfühlen und ist gefangen von der aufwühlenden Geschichte, die aber mit so sanften Worten daherkommt, dass man während der Lektüre in eine andere Sphäre eintauchen kann. Ein Buch, das berührt, einen nicht so schnell loslässt und tiefer geht, als man es vielleicht möchte.

Was ist schon normal?

Von: nil_liest Datum: 02. August 2019

Macron, derzeitiger Präsident der Grand Nation Frankreich, hat die Schriftstellerin Leïla Slimani zu seiner Botschafterin der Frankofonie auserkoren. Dann hat sie noch mit ihrem zweiten Roman den Prix Goncourt abgeräumt. Spricht für diese Frau, marokkanischer Herkunft, geboren 1981 in Rabat, die in Paris studierte. Und nicht nur das, als Verfechterin der Gleichberechtigung tritt sie öffentlich meinungsstark auf. Ihr Debüt ist, im Original bereits 2015, nun auch auf Deutsch erschienen mit dem Titel „All das zu verlieren“. Diesen Roman kann man mit diesem Vorwissen kaum unbedarft in die Hand nehmen. Der Inhalt ist schnell zusammengefasst: Die Protagonistin, eine Pariser Journalistin, versucht ihre innere Leere mit Sex zu füllen. Zudem ist sie verheiratet und hat einen Sohn im Kleinkindalter. Sie plagt nun erwischt zu werden und hat eben Angst „all das zu verlieren“. Nun kann man sich natürlich die naheliegende Fragen stellen warum Madame sich nicht scheiden lässt in einer modernen Gesellschaft wie Frankreich. Aber das ist zu kurz gegriffen, denn aus meiner Sicht will die Autorin mittels dieser drastischen Konstellation und einer sehr plastischen Sucht das gängige Glücksmodell in Frage stellen und fordert den Leser heraus: Macht jeden die Ehe mit Kindern gleichermaßen glücklich? Die herkömmliche Norm wird ausgehebelt. Natürlich provoziert die maghrebinische Autorin auch in dem das Thema Fremdgehen/Ehebruch seitens einer Frau im Fokus steht. Der Roman war ein Bestseller in Marokko und führe zu hitzigen Debatten. Eine weitere Ebene der Auseinandersetzung im lokalen kulturellen Kontext. Hervorragend übersetzt von Amelie Thoma, liest sich dieses sehr französische Werk trotz teils harter Kost sehr gut. Nur sollte der Leser darauf eingestellt sein, dass es auch verstörende Passgen gibt. In der Härte liegt zugleich auch sprachlich die Stärke des Romans. Selten finde ich ein solch emotional aufgeladenes Thema so nüchtern und zugleich poetisch in Szene gesetzt. Leïla Slimani kann wunderbar schreiben. Mir fällt in der Tat keine andere so moderne wie richtungsweisende Schriftsteller*in ein, die Frankofonie-Botschafter*in sein sollte! Fazit: Lesen und wirken lassen. Nicht bewerten.

All das zu verlieren von Leïla Slimani

Von: unzensiert♡ Datum: 01. August 2019

Adèle hat alles, was eine glücklich lebende Frau ausmacht: Eine Wohnung in einem gehobenen Pariser Viertel, den angesehenen Ehemann, das gemeinsame Kind, einen Job, der ihr Unabhängigkeit verleiht. Aber all das macht ihr Leben nur oberflächlich perfekt. Sie versucht die innere Abgestumpftheit, Langeweile und Getriebenheit durch Sex mit Fremden zu betäuben und entfernt sich dabei nicht nur von ihrer Familie, sondern auch von sich selbst ... Das Buch beginnt mitten in Adèles Leben, es gibt keine Vorgeschichte, keine Einführung, wir lernen die Protagonistin völlig unverfälscht und mit all ihren Lastern gleich auf der ersten Seite kennen. Was zunächst nach einer notorisch gelangweilten, unzufriedenen Frau klingt, nimmt schnell erste Züge selbstzerstörerischen Handelns an. Zunächst haben wir versucht, Adèles Taten nachzuvollziehen. Ihre Ehe scheint abgedroschen zu sein, es gibt keine Leidenschaft und – soweit wir das aus ihrer Sicht beurteilen können – auch keine Liebe. Das gemeinsame Kind ist Belastung statt Lebensglück. All das ist so eindringlich geschildert, dass wir mit der Protagonistin gemeinsam in Melancholie versunken sind. Slimani schildert die Dinge so, wie sie wirklich sein können und bestätigt damit die geheimen Ängste, die auch wir als Leserinnen manchmal in Bezug auf das Leben haben. Was ist, wenn alles nur perfekt wirkt, man selbst aber in Unglück versinkt und nicht das fühlt, was von einem erwartet wird? Was, wenn man kein Glück in der Mutterrolle findet, wenn der Job einen auslaugt, alles bedeutungslos ist? Adèle sucht auf ihre unstetige Art ein kleines bisschen Farbe in ihrem grauen Leben und vermag diese nicht zu finden. Sie schläft mit fremden, teilweise abschreckenden Männern und empfindet auch dabei nicht genug. Nach und nach wird dem Leser mit Erschrecken bewusst, dass sie psychisch instabil ist. Sie zweifelt an allen Menschen, die sie umgeben, hat Angst entdeckt zu werden, Angst vor Nähe. Wir haben es zum Teil kaum ertragen, weiterzulesen, haben den Kopf geschüttelt und keine der Figuren verstanden. Alles zielt auf Außenwirkung. Sie alle sind gefangen in einem Schaufenster. Unfähig, mehr zu sein als Marionetten der Gesellschaft, versuchen sie ihre inneren Stimmen abzutöten. Diese Stimmung zieht sich durch das ganze Buch. Wie auch im Leben selbst kann keine beschwichtigende, alle zufriedenstellende Auflösung erwartet werden. "All das zu verlieren" ist voll von den Enttäuschungen und Verstörungen, die das Leben bereithalten kann und die zu viel sind für eine innerlich völlig isolierte Frau. Es gibt einem keine moralische Wertung vor. Was das Buch einem bietet ist ein Einblick in das Leben einer unglücklichen Französin, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Von uns erhält dieser Einblick in eine zerstörerische Existenz 4 von 5 Herzen. Uns hat das Buch mitgenommen und erdrückt, auch der Schreibstil hat uns sehr gefallen, aber wir sind am Ende einfach nur fragend zurückgeblieben. Wir haben einen kurzen Einblick in das Leben einer Fremden erhalten. Als hätte man willkürlich den Fernseher eingeschaltet, ihn aber auch nach einigen Stunden wieder ausgeschaltet, ungeachtet der noch laufenden Geschichte. Adèles Leben ist so eindringlich dargestellt, dass es einem zuerst den Boden unter den Füßen wegzieht und dann bedrückt und betroffen zurücklässt. Dieses Gefühl der dauerhaften Beklommenheit und Belastung war so real, dass wir das Geschehen nicht nur gelesen, sondern regelrecht mitempfunden haben. Gerade deshalb wollen wir nicht von Lesegenuss sprechen und werden dieses Gefühl sicher noch lange mit uns herumtragen. Das Buch ist nichts für schwache Gemüter und auch nichts für Menschen, die andere schnell verurteilen. Es ist für die Leser, die wissen, dass das Leben Enttäuschungen bereithält und jeder auf seine Art versucht damit umzugehen, ob gesellschaftlich respektabel oder nicht.

Ein Leben, das außer Kontrolle gerät

Von: milkysilvermoon Datum: 29. July 2019

Auf den ersten Blick führt Adèle ein angenehmes Leben: Die Journalistin arbeitet für eine Pariser Tageszeitung. Mit ihrem Mann Dr. Richard Robinson, einem Chirurgen, und ihrem kleinen Sohn Lucien lebt sie in einem schicken Pariser Viertel. Finanziell geht es der Familie gut, sie reist gerne einmal übers Wochenende ans Meer. Dennoch ist Adèle unglücklich und führt ein Doppelleben. Sie trifft sich heimlich mit anderen Männern und lebt mit Fremden ihre sexuellen Obsessionen aus. Dabei setzt sie alles aufs Spiel, denn sie könnte viel verlieren… „All das zu verlieren“ ist der gelungene Debütroman von Leïla Slimani. Meine Meinung: Der Roman besteht aus kurzen Kapiteln, die sich zum Teil aus mehreren Abschnitten zusammensetzen. Erzählt wird zunächst aus der Perspektive von Adèle, später aus der von Richard. Der Roman ist chronologisch aufgebaut, allerdings gibt es mehrere Rückblenden. Diese Struktur ist gut durchdacht. Der Schreibstil wirkt eher reduziert, schnörkellos, detailarm und nüchtern, ist aber gleichzeitig auch intensiv, schonungslos und eindringlich. Die Autorin beweist eindrucksvoll, wie gut sie mit Sprache umgehen kann und wie viel sich in wenigen Sätzen vermitteln lässt. Schon nach wenigen Seiten entwickelt die Geschichte dadurch einen Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte. Mit Adèle steht eine interessante Protagonistin im Vordergrund, die das Potenzial hat zu polarisieren. Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, sie auf Anhieb als sympathisch empfunden zu haben. Obwohl ihre Gedanken und Gefühle recht deutlich werden, konnte ich ihr Verhalten größtenteils nicht nachvollziehen oder gar gutheißen. Dennoch hat der Charakter etwas an sich, das ihn spannend und reizvoll macht, sodass ich ihre Geschichte sehr gerne verfolgt habe. Stellenweise drängt sich der Eindruck auf, dass die Protagonistin etwas überspitzt dargestellt wird. Das hat mich beim Lesen allerdings nicht gestört. Absolut authentisch finde ich Richard. Die Nebenfiguren bleiben größtenteils recht blass, was in diesem Fall aber zur Geschichte passt. Mit nur etwas mehr als 200 Seiten ist der Roman ziemlich kurz. Trotzdem steckt inhaltlich eine Menge darin, denn die Geschichte verfügt über viel Tiefgang. Es geht um mehr als nur die Lebensgeschichte einer zerrissenen Frau und die Abgründe, die sich dabei offenbaren. Ein Pluspunkt ist die gesellschaftskritische Komponente, durch die der Roman immer wieder aufwühlt und zum Nachdenken anregt. Das Cover gefällt mir gut, weil es die innerliche Zerrissenheit von Adèle illustriert. Der deutsche Titel weicht leider stark vom französischen Original („Dans le jardin de l'ogre“) ab, den ich um einiges passender finde. Mein Fazit: Mit „All das zu verlieren“ konnte mich Leïla Slimani überzeugen. Es ist ein fordernder, aber sehr besonderer Roman, der mich in seinen Bann gezogen hat. Mit Sicherheit wird es nicht die letzte Geschichte der Autorin bleiben, die ich gelesen habe.

Intensive Geschichte ohne Moral

Von: Morgenschnecke Datum: 27. July 2019

Die 36-jährige Adèle lebt das Leben einer gutbürgerlichen Französin. Ein Job bei einer Pariser Zeitung, ein 3-jähriger Sohn, ein Ehemann, der Chirurg ist und eine großzügige Wohnung gehören zu ihrem Alltag. Doch Adèle ist eine Nymphomanin, süchtig nach Sex mit Bekannten, Kollegen und Fremden, wobei ihre Begegnungen zunehmend gewalttätiger und selbstzerstörerischer werden. Leïla Slimani schafft in dem Roman „All das zu verlieren“ viele teils sehr verstörende Bilder. Am Anfang hat mich die Geschichte begeistert. Ich finde Einblicke in das Leben von modernen Frauen von heute, Frauen, die nach Außen ein „normales“ Leben leben immer sehr spannend. Was mir aber in einer Geschichte wichtig ist, ist nicht nur das Beobachten selbst, sondern auch ein Hintergrund. Warum wurde die Protagonistin so, wie sie ist. Woher kommt ihre Depression, ihr Selbsthass, ihre Wut. Dies wurde für mich nicht geklärt, die Geschichte ließ mich ratlos und fast deprimiert zurück. Adèle ist hier ein Sexobjekt, eine Puppe im Garten eines Ungeheuers, wie es im Originaltitel Dans le jardin de l’ogre heisst. Als Leser ist man lediglich ein Beobachter, die Protagonistin passiv gegenüber ihrer Sucht. Dabei jedoch meisterlich beschrieben, schon nach ein paar Seiten ist man von dem leichten aber keinesfalls banalen Schreibstil mitgerissen. „All das zu verlieren“ erschien im Original 2014, zwei Jahre vor „Dann schlaf auch du“, welches mich beeindruckt hat. Es ist eventuell anmaßend, trotzdem kommt mir dieses Buch wie eine Schreibübung für das, was noch kommen sollte vor. Das Thema ist keine leichte Kost, der Schreibstil der Autorin ein Genuss.

Die Grenzgängerin

Von: Sabine van Hümmel Datum: 21. July 2019

Nachdem Leila Slimani uns mit ihrem Gänsehaut-Thriller "Dann schlaf auch du" das Fürchten lehrte, ist nun ein weiteres ihrer Werke in deutscher Sprache erschienen, das in einem gänzlich anderen Genre angesiedelt ist und die literarische Wandelbarkeit der französisch-marokkanischen Autorin eindrucksvoll unter Beweis stellt. In "All das zu verlieren", dessen Protagonistin die französische Zeitung Libération zu Recht als „moderne Madame Bovary“ bezeichnete, entwirft Slimani das Psychogramm einer Frau, die ihrem Lebens- und Selbstüberdruss mit aller Macht entfliehen möchte und dabei in eine selbstzerstörerische Abwärtsspirale gerät, deren Irreversibilität ihr nur selten bewusst wird. Obwohl die weibliche Hauptfigur in keiner Weise eine Sympathieträgerin ist, geschweige denn eine Identifikationsfigur, gelingt Slimani ein gewagter Drahtseilakt: Auch wenn man als Leser weder Mitgefühl für die destruktive Protagonistin aufbringen noch ihre Ansichten nachvollziehen kann, offenbart der Blick hinter die Fassade eine zutiefst freud- und beziehungsunfähige Frau, deren große Einsamkeit zutiefst berührt. Und es ist genau diese Erkenntnis, die uns auf menschlicher Ebene zu ihr durchdringen lässt – wenn auch nur in kurzen Augenblicken. Der Inbegriff des Spießertums Oberflächlich betrachtet fehlt Adèle nichts zu ihrem Glück: Sie lebt mit ihrem Mann Richard, einem angesehenen Arzt, und ihrem kleinen Sohn Lucien in einem exklusiven Pariser Stadtviertel und arbeitet als unabhängige Journalistin für eine Tageszeitung. Doch ihre Unzufriedenheit frisst sie auf: Sie hasst es zu arbeiten – lieber würde sie den ganzen Tag chillen und shoppen. Ihr Leben ist für sie der Inbegriff des Spießertums. Und so hat sie denn auch für die Ambitionen ihres Mannes, der von morgens bis abends arbeitet, um ihr ein angemessenes Leben zu ermöglichen, keinerlei Verständnis. Seine Strebsamkeit findet sie verachtenswert. Auch in dem Haus auf dem Land, das ihr Mann kaufen möchte und das ihr gut gefällt, sieht sie sich in ihrer Zukunft nicht. Doch wo liegt ihre Zukunft? Süchtig Adèle fühlt sich vernachlässigt und flüchtet sich in zahlreiche Affären mit den unterschiedlichsten Männern. Dabei ist sie nicht wählerisch und nimmt jeden, der in ihre Reichweite kommt. Doch schon bald werden ihre One-Night-Stands zur Sucht so wie ihr permanenter Wunsch nach Aufmerksamkeit zur Manie wird. Immer öfter, immer schneller, immer brutaler holt sie sich das, was sie braucht. An ihre kleine Familie denkt sie dabei selten. Solange sie im Fokus steht, ist sie glücklich – wenn man dies angesichts ihrer emotionalen Verfassung überhaupt so nennen kann. Doch das trügerische Hochgefühl hält nie lange an. Sobald sie aus dem Bett eines fremden Mannes steigt, ist sie angewidert – von ihrem Lover und von sich. Ihre beginnende Magersucht, die aus ihrem wachsenden Selbstekel resultiert, lässt sich schon bald nicht mehr verheimlichen, doch noch kann sie beruflichen Stress als Ursache dafür angeben. Getrieben Als Adèle eine Affäre mit einem guten Bekannten ihres Mannes beginnt, ist sie sich des Risikos voll bewusst. Sie wird immer paranoider und ist ständig von der Angst getrieben, dass Richard hinter ihr Doppelleben kommt. Wie ein gehetztes Tier ist sie permanent auf der Hut – vor sich selbst und den anderen – und will nicht wahrhaben, dass ihr Leben ihr jeden Tag ein Stück mehr entgleitet. Richard kann sich ihr bizarres Verhalten nicht erklären und verliert immer häufiger die Geduld. Auch ihre gute Freundin Lauren beobachtet Adèles zunehmende Rastlosigkeit und ihren körperlichen Verfall mit großer Sorge. Doch Adèle will von alledem nichts hören – bis schließlich die größtmögliche Katastrophe ihr Leben in Scherben legt… Verstörendes Psychogramm einer Hedonistin In ihrem Roman "All das zu verlieren" zeichnet Leila Slimani das verstörende Porträt einer Frau, deren Sucht ihr Leben dominiert. Sehenden Auges geht sie dabei ihrer Selbstzerstörung entgegen, ohne dabei auch nur im geringsten an die Konsequenzen für sich und ihre Familie zu denken. Die permanente Unzufriedenheit, die ständige Frustration und der tagtägliche Missmut der Antiheldin sind eine Herausforderung für den Leser, denn so sehr man sich auch bemüht, die Beweggründe für ihr irritierendes Verhalten zu eruieren, umso weniger erschließt sich ihre widersprüchliche Natur, da sie schlicht nicht greifbar ist. Slimanis Adèle ist nicht nur, wie bereits oben aufgeführt, eine moderne Madame Bovary. Sie hat auch die tragische Ausstrahlung einer "Belle de Jour", deren Leben zwischen Tagträumen und unkontrolliertem Ausleben ihrer Bedürfnisse zum Scheitern verurteilt ist. Doch man kann Slimanis Roman, der brillant geschrieben ist, auch als Allegorie verstehen: Adèle als Symptom, als Grenzgängerin unserer schnelllebigen Zeit, die sich auf der ständigen Suche nach Beachtung im launenhaften Feelgood-Modus selbst verliert. Als Vergnügungssüchtige, die angeödet von ihrer Zweckehe mit einem Mann, den sie allein des Ansehens wegen geheiratet hat, nur im schnellen Rausch existieren kann. Und nicht zuletzt als leichtfertige, oberflächliche Hasardeurin, die alle Limits überschreitet, um Selbstreflexion zu vermeiden. Es ist kein leicht verdauliches Thema, dem sich Slimani widmet – doch es ist sicherlich eines, das nachdenklich stimmt und aufwühlt. Eines, das die unschönen Auswüchse einer Zeit illuminiert, in der man Alltagsflucht als sinngebend definiert und jeder seine eigene Moral bestimmt. Wohin das führt, lässt sich nicht absehen. Welche Tragödien es hervorbringen kann, zeigt uns die Autorin auf schonungslos reale Weise – jedoch ohne mahnenden Zeigefinger. Die gesellschaftliche Wirklichkeit ist Mahnung genug. Mein Fazit: Ein erstklassig geschriebener Roman – unbedingt lesenswert!

Tolles Debüt!

Von: arcimboldisworld Datum: 21. July 2019

Nach dem zuletzt erschienen Roman "Dann schlaf auch Du", wurde nun Leïla Slimanis 2014 erschienener Debütroman "All das zu verlieren" aufgelegt, der sich sofort als spannender Text entpuppt, den man gar nicht beiseite legen möchte... Klar ist mittlerweile: Leïla Slimani ist derzeit wohl eine der interessantesten Stimmen und Autorinnen Frankreichs, lang nicht so sensationsheischend wie der mit seinen platten Ergüssen absolut überbewertete Michel Houellbecq, dessen neuestes Werk ich gar nicht mehr zur Hand nehmen wollte. Umso toller liest sich nach "Dann schlaf auch Du" nun auch ihr - endlich auf deutsch erschienenes - Erstlingswerk über die ausschweifende Sexsucht einer vom Leben gelangweilten Frau, unklar ob pathologisch oder nicht. Das ist auch eher nebensächlich. Viel faszinierender die gesellschaftliche Relevanz dieses Romans, dass eine Frau sich die Männer nimmt, wie sie es will. Das ist beeindruckend und stark und nachvollziehbar, dass vor allem chauvinistische Gesellschaften damit ein Problem haben. Die unverblümt klaren und deutlich ausgelebten sexuellen Wünsche der Protagonistin, die eher masochistisch veranlagt ist, werden relativ unemotional, fast schon mechanisch beschrieben, das degradiert die Männer zu Maschinen, zu reinen Objekten. Bisher kannte man derartige Obsessionen nur aus der Schreibe von männlichen Autoren. Gut so, legt Leïla Slimani nach. Offen bleibt, woher diese Sexsucht, diese Besessenheit kommt, offen bleibt in gewisser Art und Weise auch, wie es am Ende damit weitergeht. Das ist auch gut so. Denn es geht nicht nur darum, die Geschichte dieser Frau zu erzählen, sondern um die gesellschaftliche Relevanz des Themas. Was bei Männern offensichtlich ganz ok ist, ist es eben auch heutzutage bei Frauen immer noch nicht. Das hallt lange nach. Und auch diese tiefempfundene Einsamkeit, in der sich diese Frau trotz vermeintlich harmonischer Ehe und (unbefriedigendem) Kinderglück  befindet. Nur Sex gibt Adèle (so heisst die Hauptfigur) - die vom biederen Alltag als Arztgattin eher gelangweilt ist - einen kurzfristigen Kick, mit sexueller Befreiung und/oder Emanzipation hat das aber nichts zu tun. Vielmehr verliert sie sich darin, verliert sich selbst, verliert sich in der Sucht. Keine Rettung in Sicht. Sehr zu empfehlen!

Bedeutet Ehefrau und Mutter zu sein automatisch, dass man glücklich ist?

Von: ulistuttgart Datum: 20. July 2019

Adèle lebt mit ihrem Ehemann Richard, einem erfolgreichen Chirurgen, und ihrem kleinen Sohn Lucien in Paris. Sie arbeitet für eine Pariser Tageszeitung und hat, wie es scheint, ein sorgenfreies Leben. Dennoch ist sie nicht zufrieden. Sie trifft sich mit fremden Männern, hat Sex mit ihnen, kann nicht anders. Nur so kann sie sich spüren, fühlt, dass sie noch am Leben ist. Sie weiß, dass die Gefahr groß ist alles zu verlieren, doch sie geht jedes Risiko ein, um die Leere in sich zu füllen … Slimani hat mit ihrem Roman wieder einmal einen wunden Punkt unserer Gesellschaft getroffen. Sie beschreibt die Zerrissenheit dieser Frau, die in ihrer Kindheit nicht besonders viel Liebe erfahren durfte, und nun mit ihrem vielbeschäftigten Mann und ihrem kleinen Sohn nicht die totale Zufriedenheit erleben kann. Sie sucht den Kick, indem sie sich anderen Männern hingibt. Sie wirft sich ihnen regelrecht an den Hals. Für uns Leser wirkt die Art von Adèle eher abstoßend. Aber man leidet mit ihr, kann teilweise ihr Handeln verstehen und spürt die Zerrissenheit in ihr. Sie hat Angst vor dem Spießbürgerleben. Sie will nicht nur dafür da sein die Kinder zur Schule zu fahren, zum Gitarrenunterricht, zu überlegen was die Kinder essen wollen … Sie ist genervt, auf dem Spielplatz, genervt von der Spießigkeit ihres Mannes, der nichts dem Zufall überlässt. Doch es wird von ihr erwartet zu funktionieren. Sie sollte tun, was von ihr verlangt wird. In ihrem anderen Leben macht sie Männer verrückt. Sie spürt die Lust und das Begehren. Als Richard ihr auf die Schliche kommt, zieht die Familie fort. Er will sie wieder ganz für sich. Eingesperrt, unselbständig, still. „Sie hat keine Arbeit mehr, keine Freunde, kein Geld. Nichts, nur dieses Haus, wo der Winter sie gefangen hält und der Sommer ihr etwas vorgaukelt… wie ein verstörter Vogel, der mit seinem Schnabel gegen die Scheiben stößt, …“ Doch letztendlich wird Richard alleine dastehen, denn keiner lässt sich einsperren, wie ein Vogel im Käfig. Ein Buch, das man nicht mehr weglegen mag. Wie ein Sog hat mich die Autorin durch die Geschichte gezogen. Sehr detailliert beschreibt sie Gefühle und Handeln. Absolute Leseempfehlung. 5 Sterne

Wenn alles nicht ausreicht

Von: Bücherfluss Datum: 16. July 2019

"Es hört nicht auf, Adèle. Nein, es hört nicht auf. Liebe ist nichts als Geduld. Eine devote, ungeheure tyrannische Geduld. Eine unsinnig optimistische Geduld." Adèle scheint alles zu haben, was man braucht, um glücklich zu sein. Einen Job, erfolgreich, ihr eigener Chef. Einen Ehemann, Chirurg, einen kleinen Sohn, eine Wohnung im besten Viertel von Paris. Adèle scheint alles zu haben, was man braucht, um glücklich zu sein. Und dennoch streift sie Nacht für Nacht durch die Straßen, das Abenteuer im Blick, auf der Suche nach etwas, das die Leere in ihr füllt. Komplizierte Frauenfiguren sind ihr Spezialgebiet. Schon mit "Dann schlaf auch du" offenbarte Leila Slimani das Innenleben ihrer Charakterdarstellerinnen, zog die Frage der Mutterschaft und der Unabhängigkeit in den Mittelpunkt der Betrachtung und zeigte auf eindrucksvolle Art und Weise, wie sich das Wesen einer Person innerhalb einiger weniger Augenblicke in all seine Einzelteile zerlegen kann. Auch bei "All das zu verlieren" stellt Slimani wieder die Empfindungen ihrer Charaktere in den Fokus und präsentiert mit Adèle eine Protagonistin auf der Suche nach dem Sinn - und nach sich selbst. Große literarische Ausschweifungen und aufgeladene Metaphern sind nicht ihr Ding. Slimanis Sprache ist direkt, ohne groß zu beschönigen dringt sie weit vor in die Tiefen der unausgesprochenen Dinge, legt eine Dunkelheit über ihre Erzählung, über Adèles Leben, die nur an wenigen Stellen durchbrochen wird. Erneut schreibt sie über die verborgenen Abgründe unserer Gesellschaft, über weibliche Sexualität und Betrug, über Gewalt. Sie bricht Tabus, nicht schrittweise und vorsichtig, sondern furchtlos und stürmisch, ohne Rücksicht auf mögliche Verluste. "Alles, was sie sagen, dient nur einem einzigen Zweck: zur Sache zu kommen. Hier, in dieser Gasse, in der Adèle sich an einen grünen Mülleimer drückt." Nach und nach entgleitet Adèle ihr Leben, immer wieder möchte man ihr zurufen, dass sie doch bitte endlich zur Vernunft kommen möchte, doch Adèle ist nicht in der Lage ihren selbst geschaffenen Teufelskreis zu verlassen. Erst mit der Zeit kommt der Leser hinter Adèles wahre Motive, erst dann, als einer Konfrontation nicht mehr aus dem Weg gegangen werden kann. Auch mit "All das zu verlieren" polarisiert Slimani, doch Kritik an ihr und ihren Büchern interessiert sie wenig. Sie ist laut, attackiert und spricht mittlerweile für eine ganze Generation. Es sicherlich nicht ein Buch für jeden Leser. Zu schwache Gemüter werden an den vielen Gewaltszenen keine Freude haben, zu sehr stellt Slimani dieses Mal die menschlichen Abgründe in den Vordergrund. Dennoch - mit "All das zu verlieren" zeigt Slimani erneut, dass sie aus der französischen Literatur, der Literatur allgemein, nicht mehr wegzudenken ist und nimmt die Stellung, die ihr das ZEITmagazin vor nicht allzu langer Zeit zugeschrieben hat: "die neue Stimme der französischen Literatur." ______________________________________________________________________________ ISBN:9783630875538 Seiten:224 Verlag: Luchterhand Erscheinungsjahr: 2019 ©Die Coverrechte liegen bei RandomHouse. Vielen lieben Dank für das Rezensionsexemplar. ©ZEITmagazin von 25.08.218 (https://www.zeit.de/zeit-magazin/2018/35/leila-slimani-frankreich-schriftstellerin-frauenrechte-sex-buch/komplettansicht) 

Aufwühlend, ergreifend, realistisch!

Von: Booklove15_11 Datum: 28. June 2019

Die 36-jährige Journalistin Adèle scheint auf den ersten Blick alles zu besitzen, was eine Französin in Montmartre ein gutbürgerliches Leben führen kann: einen Ehemann, der sich als Chirurg auf Magen-Darm-Krankheiten spezialisiert hat, einer süßer 3-jähriger Sohnemann, ein Job in einer Pariser Zeitung und eine großzügige Wohnung mitten auf der Stadt. Sie gehen in den noblen Restaurants essen, sie reisen, sie treffen mit dem freunde auf einen guten französischen Wein. Doch Adèle kann mit diesem wohlhabenden Bürgertum nichts anfangen, ihr Interesse gilt allein ihren sexuellen Obsessionen. Sie ist eine süchtiger, eine Frau, eine Mutter die fast alles für ihre Sucht aufgibt. Sie eilt durch die Nacht, durch die grauen Straßen, nur wegen Sex. Sie verließt ihrer schlafende Ehemann, sie verließt ihrem Ehebett in der Dunkelheit, nur wegen Sex. Wahllos trefft sie sich mit Männern egal Arbeitskollege, egal Bekannte, egal fremde, ihr Blick erkennt in einer ganz normaler Mann einen Sex Gefährten. Egal wo in Frankreich, egal ob in eigener Wohnung oder in ein Hotelzimmer, sie jagt einen Höhepunkt nach dem anderen, oft brutal, erniedrigend, schmerzhaft. Adèle ist eine Nymphomanin... Es ist keine Liebesgeschichte mit etwas Erotik fürs romantische Lesestunden. Was Adèle hier erlebt, ist kein Blümchensex. Es ist ein Buch über Perversion, über Nymphomanie, über brutalen Verlangen. Schon ab ersten Seiten erzählt der Autorin Schonungs- und furchtlos, von der Zerrissenheit einer Frau und die Brutalität ist fühlbar nah. „Sie will nur ein Objekt inmitten einer Meute sein. Gefressen, ausgesaugt, mit Haut und Haaren verschlungen werden. Sie will in die Brust gekniffen, in den Bauch gebissen werden.“(Seite 10) Was Adèle dazu bringt, bleibt in Geheimnis, jedoch als erfahrene Leser spürt man ihre verloren sein, ihre Einsam- und Verletzlichkeit. Am Ende lässt der Autorin die Leser mit den gleichen Gefühlen, was Adèle ganzen Zeit gefühlt hat, zurück. Ein wunderbares Werk, die ich nur weiterempfehlen kann. Aufwühlend, ergreifend, realistisch!

Verstörend

Von: Zeilentaenzer Datum: 26. June 2019

All das zu verlieren ist ein Roman der französisch-marokkanischen Schriftstellerin Leïla Slimani, der im Frühjahr 2019 im Luchterhand Verlag, welcher dem Hause Randomhouse zugehörig ist, erschien. Slimani schildert in der Geschichte die nagende Unzufriedenheit ihrer Protagonistin, die trotz Familienleben, erfolgreichem Job und schönem Heim nicht glücklich ist. Adéle führt ein idyllisches Leben mit ihrem Mann Richard und ihrem gemeinsamen Sohn. Richard ist wohlhabender Chirurg und Adéle arbeitet als Journalistin. Mitten in Paris bewohnt die kleine Familie eine schicke Wohnung, sodass man glauben könnte, Adéle hätte alles, was eine Mutter und Ehefrau glücklich machen sollte. Die junge Frau aber bricht immer wieder aus dem schönen Leben aus und gibt sich wildfremden Männern hin, die sie in Bars und Kneipen trifft. Auch vor Kollegen ihres Ehemannes schreckt sie nicht zurück. Ihr Doppelleben kann sie lange Zeit geheim halten und sogar ihre beste Freundin Lauren deckt Adéles Affären. Irgendwann jedoch bröckelt die Fassade und ein schwerer Verkehrsunfall ihres Mannes ändert alles. Leïla Slimani beschreibt das Verhalten ihrer Protagonistin Adéle schonungslos offen und bringt so deren Zerrissenheit auf den Punkt. Die junge Frau provoziert und polarisiert durch ihre sexuellen Ausschweifungen und wirkt dennoch sehr menschlich. Die Frage, wie eine Frau ihrem Mann und ihrem Sohn das antun kann, schwingt beim Lesen immer mit und dennoch will möchte man Adéle mögen. Das macht die Einzigartigkeit von Slimanis Büchern aus: sie gibt immer Raum zum Nachdenken, lässt Interpretationen zu und ringt ihren Lesern Verständnis und Akzeptanz für ihre Figuren ab. Die kurzen Kapitel spiegeln den fragwürdigen Lebenswandel von Adéle hinreichend wieder. Neben den gegenwärtigen Geschehnissen sind es zudem Rückblenden, durch welche die Geschichte lebt. Als Leser erfährt man vieles über die Kindheit von Adéle und lernt die Familien beider Ehepartner kennen, sodass sich manches Puzzleteil zusammenzufügen scheint. Der Erzählstil ist griffig und derb, die Beschreibungen und Handlungen Adéles haben mich manches Mal schockiert zurück gelassen. Mich konnte Leïla Slimani wieder einmal vollends überzeugen. Sie schafft ein beschauliches Setting, ein nach außen hin perfektes Familienleben und zeigt auch dieses Mal menschliche Abgründe auf. Ich mag ihre direkte, ungeschönte Ausdrucksweise und den tiefen Blick in die Seele ihrer Figuren. Auch All das zu verlieren bleibt im Gedächtnis und wirkt noch lange nach.

Eine intensive Beziehungsgeschichte

Von: Andrea Pehle Datum: 24. June 2019

So zwiegespalten, wie auf dem Cover stellt sich auch das Leben der 35jährigen Adèle dar. Auf der einen Seite ist sie die Ehefrau eines Arztes, junge Mutter und Journalistin. In dieser Rolle funktioniert sie oberflächlich gesehen optimal. Wäre da nicht dieser Hang, sich mit anderen - zumeist fremden Männern körperlich zu vereinigen. Sie selbst gibt zu, dass es eine Obsession ist und der schönste Moment ist der, wenn das Gegenüber die Weinflasche öffnet. Also ganz kurz vor dem Knall; dem Moment in dem in ihr alles aus den Fugen gerät. Auch im Nachgang fühlt sie sich nicht schlecht. Selbst in Anwesenheit ihres Mannes greift sie unter dem Tisch nach dem Knie eines Fremden. All das zu verlieren, was man geordnete Verhältnisse nennt, beschreibt sie als undenkbar. Mann und Sohn geben ihr das Gleichgewicht und dennoch provoziert sie deren Verlust fast täglich. Fast möchte man mit der Protagonistin Mitleid haben. Ich wünschte ihr lange eine erfüllte Liebesbeziehung mit ihrem Mann Richard, frei von anderen Gelüsten. Doch als eine Situation zu Silvester im Haushalt ihrer Eltern beschrieben wird, erahnte ich schon, dass sich die Instabilität zu Hause in der Kindheit auf die erwachsene Frau übertragen hat. Lange stellte sich die Frage: Wird Richard irgendwann mitbekommen, was vor sich geht und wie werden beide damit umgehen? Für mich war "All das zu verlieren" ein echter Pageturner, so sehr bangte ich um Adèle und wollte wissen, wohin ihre Geschichte final führte. Leïla Sliman beschreibt sehr intensiv die Geschichte zweier Menschen, die in der Klemme stecken. Jeder für sich und auch gemeinsam. Mir hat "All das zu verlieren" außerordentlich gut gefallen! Absolute Leseempfehlung

Bewegendes Buch

Von: Vera Datum: 15. June 2019

Meine Meinung Slimani erzählt in „All das zu verlieren“ die Geschichte von Adèle – diese führt ein nach außen perfektes Leben. Sie hat einen erfolgreichen Mann (er ist Arzt), einen kleinen, süßen Sohn und arbeitet als Journalistin. Doch Adèle will ausbrechen aus diesem Leben, sie sehnt sich nach mehr. Ihr Sohn ist ihr lästig, ihr Mann zu langweilig. Sie hat Sex mit Unbekannten um sich zu spüren, sie ist förmlich süchtig danach. Aber auch das bringt ihr keine wirkliche Befriedigung – ihr Leben fühlt sich für sie immer noch leer an. Immer wieder setzt Adèle alles aufs Spiel. Das macht sie zu einer schwierigen Protagonistin. So richtig sympathisch war sie mir nicht. Slimani hat ihre Geschichte aber so gut erzählt und so intensiv ihre Gefühlswelt geschildert, dass ich immer weiter lesen musste. Der Leser erlebt Adèles Untergang mit und leidet mit ihr, obwohl Slimani ganz sachlich und fast kalt erzählt. Im letzten Drittel des Buches kommt auch Richard, ihr Mann zu Wort und dadurch wird eine weitere Perspektive auf die Geschichte eröffnet. Auch erfahren wir ein bisschen über Adèles Vergangenheit. Erklärungen für ihre große Unzufriedenheit und das ständige Getriebensein finden sich aber nicht. Das Ende ist offen, aber wenig versöhnlich. Die Geschichte hat bei mir viele Fragen hinterlassen, ich denke, genau das wollte Slimani erreichen. Fazit Ein sehr eindringliches Buch über eine tief verzweifelte Frau, die mit ihrem Leben hadert und versucht aus ihrer bürgerlichen Welt auszubrechen. Es ist schwer mehr über das Buch zu schreiben, ohne zuviel zu verraten, deshalb nur soviel: Unbedingt Lesen!

Im goldenen Käfig...

Von: lesensgefahr Datum: 13. June 2019

Wie »Dann schlaf auch du« ist auch der neue Roman von Leïla Slimani eine Abrechnung mit dem gehobenen Bürgertum. In »All das zu verlieren« haben wir es mit einer Frau zu tun, die vermeintlich alles hat - einen Job als Journalistin, einen Arzt als Mann, ein gesundes, hübsches Kind und nicht zuletzt Geld. Doch mit der bürgerlichen Spießigkeit kommt sie nicht klar, muss immer häufiger raus aus diesem selbst geschaffenen, goldenen Käfig und schafft sich ein gefährliches Doppelleben. Wann immer sich die Gelegenheit bietet, zieht sie los und hat Sex mit Fremden. Immer extremer und waghalsiger werden ihre Treffen, so dass ich mich ein wenig an den Film »Shame« mit Michael Fassbender erinnert fühlte. Natürlich ist es nur eine Frage der Zeit bis das Doppelleben der Protagonistin aufzufliegen droht... In den Romanen von Leïla Slimani steuern wir stets die unvermeidbare Katastrophe an. So war es bereits bei »Dann schlaf auch du« und so ist es auch hier. Die Gewissheit, dass ein Ende mit Schrecken unausweichlich ist, macht für mich den besonderen Reiz ihrer Romane aus. Den Sog, der einen ab der ersten Seite fest im Griff hat. So war es auch diesmal wieder. Auch wenn »All das zu verlieren« längst nicht so drastisch und explizit ist, wie im Vorfeld zu lesen war, ein gelungener und spannender Roman ist es allemal.

Eine Frau, die zu viel will...

Von: nicigirl85 Datum: 09. June 2019

Auf Empfehlung habe ich diesen Roman gelesen und ich wusste nach der Lektüre gar nicht so richtig was ich empfinden soll. Die optische Aufmachung finde ich sehr gelungen, da man in der rauchenden Frau die Hauptakteurin wiedererkennt. In der Geschichte geht es um die verheiratete Adèle, die alles im Leben hat und dennoch nicht glücklich ist. Immer wieder bricht sie aus dem Ehealltag aus und vernachlässigt ihre Pflichten. Wird ihr das bald zum Verhängnis werden? Adèle als Charakter war keine Person, die ich sonderlich mochte. Sie wirkte auf mich sehr arrogant und ichbezogen. Ihre sexuellen Eskapaden lasen sich für mich zwar äußerst interessant, aber viele ihrer Stelldicheins fand ich eher abstoßend und ich konnte nicht ganz nachvollziehen warum sie dies tut. Erst als man ihre Mutter kennenlernt, ahnt der Leser warum sie so geworden ist. Richard als gehörnter Ehemann hat mir persönlich recht gut gefallen, weil er sehr viel für seine Familie tut. Allerdings haben seine Abwesenheit durch zu viel arbeiten und seine Beziehung zum Thema Sex sicher dazu beigetragen, dass Adèle so agiert. Der kleine Lucien, der Sohn des Ehepaares, hat mir unheimlich Leid getan. Man spürte wie sehr er seine Mutter braucht, die ihn aber immer wieder irgendwo abgibt und schlichtweg vernachlässigt. Der Autorin ist es sehr gut gelungen aufzuzeigen was in einer Gesellschaft passiert, in der die Menschen alles haben und dennoch nicht glücklich sind. Auch wenn ich den Roman nicht mit großem Genuss gelesen habe, so hat er doch bei mir einen Punkt getroffen, da mich das Ganze letztendlich doch irgendwo berührt hat. Fazit: Interessante Lektüre, die mich sehr nachdenklich gestimmt. Gern spreche ich eine Empfehlung aus.

Eine ganz besondere Lektüre, die man schon wegen ihrer schonungslosen Direktheit nicht so schnell vergisst!

Von: Was Silke liest Datum: 31. May 2019

Adèle scheint ein perfektes Leben zu führen – sie arbeitet als Journalistin, hat eine schöne Wohnung mitten in Paris, ist Gattin des wohlhabenden Chirurgen Richard und Mutter eines kleinen Sohnes. Doch all das reicht Adèle nicht. Sie beginnt Affären mit ihrem Chef, einem verheirateten Kollegen ihres Mannes und völlig fremden Männern, die sie in Bars oder auf der Straße trifft. Sie will schnellen, harten Sex und führt ein waghalsiges Doppelleben. Bis ihr Mann eines Tages dahinter kommt und das Drama seinen Lauf nimmt… Nach „Dann schlaf auch du“ hatte ich sehr hohe Erwartungen an das neue Werk der französisch-marokkanischen Schriftstellerin und Prix-Goncourt-Preisträgerin Leïla Slimani und habe der neuen Lektüre regelrecht entgegengefiebert. „All das zu verlieren“ erzählt von der Zerrissenheit einer unglücklichen Frau und gibt schonungslos ehrliche Einblicke in die ungeahnten Tiefen der menschlichen Psyche und die Gefühlswelt der Protagonistin. Abermals hat Slimani einen grandiosen Roman geschaffen, der polarisiert und ausreichend Raum zum Nachdenken und für eigene Interpretationen lässt. Hervorragend setzt sie ihr feines Gespür für die Beschreibung ihrer Charaktere sowie deren Gefühle um und offenbart dabei völlig schamlos deren intimste Seiten. Die kurzen Kapitel sowie der schnelle Wechsel zwischen Rückblenden und Gegenwart spiegeln die sprunghafte Lebensweise Adèles auf ideale Weise wieder. Auch der Perspektivwechsel gegen Ende passt perfekt, gibt er doch die Möglichkeit, die Problematik auch aus Sicht des Ehemannes zu betrachten und nachzuvollziehen. Leïla Slimani verwendet einen prägnanten, abgeklärten und schon ziemlich derben Schreibstil. Hier wird nichts geschönt und schon gar kein Blatt vor den Mund genommen! So aufwühlend, turbulent und verstörend wie Adèles Leben, ist auch die stilistische und sprachliche Umsetzung dieses Romans. Mit ihrer erbarmungslosen und äußerst glaubhaften Darstellung der schlimmsten Abgründe unserer Gesellschaft beweist Leïla Slimani wieder ihr schriftstellerisches Können! Chapeau!!! Ein bewegender, sehr tiefgründiger, außergewöhnlicher Roman, der mich berührt, fasziniert und zugleich wahnsinnig gut unterhalten hat! Unbedingte Leseempfehlung!!!

Wichtiges Thema genial umgesetzt.

Von: Nina's Bücherbasar Datum: 27. May 2019

Protagonistin Adèle führt ein Leben, dass für viele von uns auf den ersten Blick verachtenswert ist. Sie betrügt ihren Mann am laufenden Band, lässt dafür sogar ihren dreijährigen Sohn allein Zuhause. Dennoch schafft es die Autorin, dass Symapthien entstehen. Meiner Meinung nach ein echtes Kunstwerk. Leïla Slimani wurde ja nach ihrem ersten großen Erfolg „Dann schlaf auch du“ als eine der großen neuen Autorinnen aus Frankreich gefeiert. Und mir ist dank dieses Romans jetzt sehr deutlich, warum. Die Autorin hat ein ganz besondere Erzählweise, die distanziert, aber dennoch emotional ist. Sie hat hier ein Thema gewählt, dass komplex und voller Widersprüche ist, für das sich viele bestimmt interessieren, aber das es eigentlich fast unmöglich macht, eine Protagonistin zu entwickeln, die man als Leser verstehen und auch mögen kann. Dennoch hat sie genau dies geschafft. Adèle erfüllt so viele Punkte, aufgrund derer man sie eigentlich hassen müsste. Sie betrügt ihren Mann, hasst ihren Job und gibt sich bei der Arbeit keine Mühe, lügt und betrügt und selbst ihr Kind vernachlässigt sie sträflich, schreit den Dreijährigen an und redet eigentlich nur darüber, wie sehr sie ihr Leben hasst – ein Leben, von dem andere Träumen. Doch dann erfahren wir immer mehr über ihre Vergangenheit und Kindheit und beginnen zu verstehen, wie Adèle zu dem Menschen wurde, der sie heute ist. Und am Ende stehen wir mit einem flauen Gefühl im Magen da, wissen nicht wohin mit unseren Erkenntnissen und wissen noch viel weniger, was genau wir jetzt fühlen sollen, auf wessen Seite wir stehen. Gibt es überhaupt eine richtige Seite? Damit ihr einmal wisst, was genau das Thema dieses Buches ist: Die Protagonistin leidet an Hypersexualität. Diese definiert sich laut Wikipedia so: „Hypersexualität ist ein in der Medizin, Psychotherapie, klinischer Psychologie und Sexualwissenschaft gebräuchlicher Begriff. Er bezeichnet sowohl ein erhöhtes sexuelles Verlangen als auch ein gesteigertes sexuell motiviertes Handeln. Hypersexualität kann unterschiedliche Ursachen (körperliche wie psychische) haben.“ Ein Thema, auf das wir in unserer Gesellschaft immer öfter treffen und dessen Relevanz enorm ist. Ich selbst habe mich damit aber eben noch nicht außeinandergesetzt und war sehr froh, dass ich davon jetzt wenigstens einen ersten Eindruck bekommen habe, der klein, aber dennoch sehr tiefgründig war. Bewundernswert dabei: Obwohl es in diesem Roman viel Erotik gibt, ist diese anspruchsvoll verpackt, nimmt nicht zu viel Raum ein und wirkt ganz uns gar nicht pornografisch. „All das zu verlieren“ ist ein ernster Roman mit einem ernsten Thema und das zeigt sich natürlich auch in der Erzählweise. Eine angemessene Art, dieses Thema zu vermitteln. Wichtig bei diesem Roman ist das genaue Lesen, sonst kann einem viel entgehen. Keine leichte Unterhaltungsliteratur, sondern ein Buch mit Botschaft. Wundervoll! 4,5/5 Sterne

Die innere Leere

Von: Buecherseele79 Datum: 27. May 2019

Adéle lebt ein Leben wovon viele Frauen nur träumen – sie hat einen gesunden Sohn, ist verheiratet mit Richard der als Arzt tätig ist, kann als Journalistin arbeiten, ans Meer fahren, gehobener leben und wohnen und doch ist sie unglücklich, unzufrieden und fühlt sich alleine. Darum sucht sie Kontakte zu anderen Männern mit denen sie ihr sexuellen Wünsche und Geheimnisse umsetzen kann, um ihre innere Leere zu füllen und merkt nicht wie ihr die ganze Situation langsam entgleitet.... Ich habe das Buch „Dann schlaf auch du“ von der Autorin gelesen und war von ihrer Art des Erzählens und Schreiben sehr angetan. Dies kann ich auch über ihr Buch „All das zu verlieren“ ummünzen, der Schreistil ist offen, in vielen Situationen schonungslos und ehrlich, aber genau so nimmt einen das Buch, die Protagonistin Adéle mit auf ihre innere Reise. Adéle wird in diesem Buch wohl viel Hass auslösen, man wird ihr Egoismus vorwerfen weil sie nicht nur ein gutes Leben wegwirft sondern auch ihrem Mann und Sohn damit schadet. Aber genau hier liegt die Stärke des Buches, der ganzen Geschichte, denn nur so kann man als Leser, in meinen Augen, diese Leere, dieses Suchen nach Anerkennung, nach „da muss doch mehr sein“, nachvollziehen. Auch wenn Adéle innerlich mit ihren Entscheidungen zerrissen ist und doch ständig die „Gefahr“ sucht indem sie sich auf fremde Männer einlässt, so weiß sie auch ihren Mann und Sohn zu schätzen, das gehobene Leben welches sie führen kann und darf, aber es füllt sie eben nicht so aus wie ihren Mann. Denn Adéle weiß um ihre Vorzüge, dass sie bei den Männern begehrt ist, dass man sich nach ihr umdreht, sie sehen und hören möchte, Zeit mit ihr verbringen will, nur in diesem Momenten fühlt sie sich akzeptiert, schön, beachtet und voller Energie. Während ihr Mann Richard sich überlegt ein Haus auf dem Land zu kaufen, mehr Zeit für die Familie zu haben, dass sie noch ein zweites Kind bekommen sollen ist Adéle nicht sicher was sie genau möchte... auf der einen Seite will sie ausreißen und leben, sich lebendig fühlen, auf der anderen Seite den sicheren Hafen der Ehe mit Richard nicht verlassen. Wirkliches Mitspracherecht hat Adéle nicht. Ich empfand für Adéle, die meiste Zeit, Mitgefühl und konnte viele Ansichten und Gedanken verstehen oder, ansatzweise, nachvollziehen. Richard hat zwar einen harten Job als Arzt aber auch Adéle geht arbeiten, kümmert sich um Sohn und Haushalt und hält alles zusammen, aber es ist in erster Linie Richard der bestimmt, den Weg vorgibt und sich erholen muss. Als Frau hat sie sich nicht so anzustellen, denn hier wird die Realität fassbar – als Frau arbeitet man eh nicht so wirklich und überhaupt haben es Männer viel schwerer. Der Autorin gelingt es mehr als gekonnt diese Ansätze, die ja oft Realität sind, anzusprechen, zu erwähnen und in dieser Story umzusetzen. Schonungslos und ohne Umschweife zeigt Leila Slimani auf was Einsamkeit in der heutigen Gesellschaft bedeuten kann. Das offene Ende wird auch hier nicht jedem gefallen, ich finde es aber sehr gut da man sich so eine eigenen Gedanken machen kann, es regt zum nachdenken und austauschen an und jeder Leser kann selbst entscheiden was mit Adéle und Richard passiert. Ich kann dieses Buch nur empfehlen! Ich danke dem Randomhouse Verlag, dem Luchterhand Verlag und dem Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

Die innere Leere

Von: Buecherseele79 Datum: 27. May 2019

Adéle lebt ein Leben wovon viele Frauen nur träumen – sie hat einen gesunden Sohn, ist verheiratet mit Richard der als Arzt tätig ist, kann als Journalistin arbeiten, ans Meer fahren, gehobener leben und wohnen und doch ist sie unglücklich, unzufrieden und fühlt sich alleine. Darum sucht sie Kontakte zu anderen Männern mit denen sie ihr sexuellen Wünsche und Geheimnisse umsetzen kann, um ihre innere Leere zu füllen und merkt nicht wie ihr die ganze Situation langsam entgleitet.... Ich habe das Buch „Dann schlaf auch du“ von der Autorin gelesen und war von ihrer Art des Erzählens und Schreiben sehr angetan. Dies kann ich auch über ihr Buch „All das zu verlieren“ ummünzen, der Schreistil ist offen, in vielen Situationen schonungslos und ehrlich, aber genau so nimmt einen das Buch, die Protagonistin Adéle mit auf ihre innere Reise. Adéle wird in diesem Buch wohl viel Hass auslösen, man wird ihr Egoismus vorwerfen weil sie nicht nur ein gutes Leben wegwirft sondern auch ihrem Mann und Sohn damit schadet. Aber genau hier liegt die Stärke des Buches, der ganzen Geschichte, denn nur so kann man als Leser, in meinen Augen, diese Leere, dieses Suchen nach Anerkennung, nach „da muss doch mehr sein“, nachvollziehen. Auch wenn Adéle innerlich mit ihren Entscheidungen zerrissen ist und doch ständig die „Gefahr“ sucht indem sie sich auf fremde Männer einlässt, so weiß sie auch ihren Mann und Sohn zu schätzen, das gehobene Leben welches sie führen kann und darf, aber es füllt sie eben nicht so aus wie ihren Mann. Denn Adéle weiß um ihre Vorzüge, dass sie bei den Männern begehrt ist, dass man sich nach ihr umdreht, sie sehen und hören möchte, Zeit mit ihr verbringen will, nur in diesem Momenten fühlt sie sich akzeptiert, schön, beachtet und voller Energie. Während ihr Mann Richard sich überlegt ein Haus auf dem Land zu kaufen, mehr Zeit für die Familie zu haben, dass sie noch ein zweites Kind bekommen sollen ist Adéle nicht sicher was sie genau möchte... auf der einen Seite will sie ausreißen und leben, sich lebendig fühlen, auf der anderen Seite den sicheren Hafen der Ehe mit Richard nicht verlassen. Wirkliches Mitspracherecht hat Adéle nicht. Ich empfand für Adéle, die meiste Zeit, Mitgefühl und konnte viele Ansichten und Gedanken verstehen oder, ansatzweise, nachvollziehen. Richard hat zwar einen harten Job als Arzt aber auch Adéle geht arbeiten, kümmert sich um Sohn und Haushalt und hält alles zusammen, aber es ist in erster Linie Richard der bestimmt, den Weg vorgibt und sich erholen muss. Als Frau hat sie sich nicht so anzustellen, denn hier wird die Realität fassbar – als Frau arbeitet man eh nicht so wirklich und überhaupt haben es Männer viel schwerer. Der Autorin gelingt es mehr als gekonnt diese Ansätze, die ja oft Realität sind, anzusprechen, zu erwähnen und in dieser Story umzusetzen. Schonungslos und ohne Umschweife zeigt Leila Slimani auf was Einsamkeit in der heutigen Gesellschaft bedeuten kann. Das offene Ende wird auch hier nicht jedem gefallen, ich finde es aber sehr gut da man sich so eine eigenen Gedanken machen kann, es regt zum nachdenken und austauschen an und jeder Leser kann selbst entscheiden was mit Adéle und Richard passiert. Ich kann dieses Buch nur empfehlen!

Sehr bewegend!

Von: Kathy30 Datum: 23. May 2019

Der Inhalt: Adèle hat alles was man sich wünschen kann: einen Chirurgen als Ehemann, einen kleinen Sohn, einen guten Job als Journalistin, eine schöne Wohnung in einem guten Viertel von Paris und trotzdem fühlt sie sich leer und versucht diese Leere durch Sex mit vielen Männern zu füllen. Das Cover: Mir gefällt das Cover sehr gut und es hat mich auf dieses Buch erst aufmerksam gemacht. Ich finde, dass es Stil und Eleganz ausdrückt, genau das was die Protagonistin Adèle auch oberflächlich ausstrahlt. Die Sprache: Mir gefällt auch der Sprachstil, den die Autorin für diese Geschichte gewählt hat, sehr gut. Ihre Art sich auszudrücken hat mich berührt und ich konnte recht schnell in die Geschichte eintauchen. Meine Meinung: Mir hat die schonungslose Art und Weise, wie die Autorin der Leserschaft Einblick in die tiefe Gefühlswelt der Protagonistin Adèle und in die ihres Ehemannes gibt sehr gefallen und ich wollte unbedingt mehr über Adèle und ihr Schicksal erfahren. Das Buch liest sich sehr kurzweilig und ich wollte immer mehr erfahren. Die Autorin verstand es sehr gut meine Neugier zu wecken und bis zum Schluss aufrecht zu erhalten. Die Protagonistin war mir sehr sympathisch und ich empfand tiefstes Mitleid mit ihr. Das Buch hat ein offenes Ende und so kann sich jeder Leser noch eine Weile damit beschäftigen und sich selbst ein, für ihn zufriedenstellendes, Ende erschaffen. Fazit: Ein sehr bewegendes, tiefgründiges Buch, das mich berührt und zugleich unterhalten hat. Die Art wie die Autorin erzählte war für mich neu und sehr erfrischend.

Vom Leben und Lieben, wenn man sich selbst nicht mehr fühlt.

Von: JosefineS Datum: 20. May 2019

Für außenstehende führt Adéle ein sehr wünschenswertes Leben. Sie hat alles, was sie sich laut gesellschaftlichen Konventionen wünschen könnte. Angesehener Job, einen Mann, ein Haus und ein gesundes Kind. Doch all dies erfüllt sie nicht. Um der Tristesse des Alltags zu entfliehen, trifft sie sich mit Männer, hat Sex mit Fremden. Obwohl sie weiß, dass sie all dies verlieren könnte und sie davor große Angst hat, treibt es sie immer wieder um. Sie kann dem Drang, für einen kurzen Moment wieder Leben in sich zu spüren, nicht widerstehen. Bis sie im Strudel der Geschehnisse, droht die Kontrolle und sich selbst zu verlieren… Leïla Slimani ist eine französisch- marokkanische Schriftstellerin und Journalistin. Für ihren ersten Roman „Dans le jardin de l’ogre“ (Originaltitel, Deutsche Ausgabe: All das zu verlieren) wurde sie in Marokko mit dem Prix de La Mamonia ausgezeichnet. In diesem Roman wartet sie mit einer eher ungewöhnlichen Protagonistin auf. Die Sympathischste ist sie für Menschen mit herkömmlichen Gepflogenheiten sicher nicht. Doch wer sich die Zeit nimmt tiefer in die Geschichte einzutauchen, spürt schnell, den Kampf, den sie deshalb auszufechten hat. Sie ist so gar nicht glücklich mit ihrem Leben. Obwohl sie alles erreicht hat, was die Gesellschaft uns Frauen als erstrebenswert vorgibt, spürt sie diese allumfassende Leere. Nichts von alle dem macht sie glücklich. Der Alltag, der sie doch erfüllen sollte, droht sie zu ersticken. Sie verabscheut den Müßiggang ihres Lebens und würde lieber auf Händen getragen und bewundert werden. Sie kann mit ihrem Mann nicht viel anfangen, sie will weniger geliebt als mehr begehrt werden, spüren das ihr pure Existenz etwas auslöst. Sie will genommen werden, sich selbst fühlen, die Kontrolle verlieren. Doch sie stürzt immer tiefer in den Strudel einer Spirale, die gleich eines Drogenabhängigen, nur Abwärts führen kann. Denn irgendwann reicht das alles nicht mehr aus, um ihr das Gefühl zu geben am Leben zu sein, sich selbst noch spüren zu können. Dabei riskiert sie alles zu verlieren, was ihr mehr bedeutet als sie selber ahnt. Schreckt Adéles Handeln auf den ersten Blick ab, so ist wahrscheinlich den meisten der Gedanke, unglücklich und müde des Alltags zu sein und daraus ausbrechen zu wollen mehr als bekannt. All das zu verlieren ist ein Bewegender Roman darüber, was ist wenn, dieses Gefühl übermächtig wird und man im aufrecht erhalten von Konventionen sich selbst völlig verliert und welche Wege man beschreitet um nur für einen kurzen Augenblick Luft zu bekommen. Trotz des vermeintlichen Rettungsversuches spitzt sich die Geschichte unaufhaltsam und dramatisch zu. Die Zerrissenheit von Adéle zu spüren, darüber ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu sein und dem Zwang dunkle Wege zu beschreiten, ließ mich während des Lesens in ein tiefes Loch stürzen. Wer denkt, hier etwas Oberflächliche, mit Sex gewürzte Unterhaltung zu bekommen, der liegt falsch. Das sexuell gezeigte Bild wandelt wahrscheinlich weit ab von der herkömmlichen Moralvorstellung und doch erkennen sich sicher einige wieder. Jede Frau, hat Momente in denen sie gehalten, genommen, begehrt werden möchte. Gefangen vom kurzen, prägnanten, schnörkellosen Erzählstil der Autorin, steht der Leser mit Adéle am Abgrund. Zurückzutreten und nicht zu Boden zu stürzen fällt hier nicht leicht, denn Frau Slimani hält einen fest und lässt so manchen auch nach dem Buch nicht mehr los. Fazit: ein wirklich bewegendes Buch über uns Frauen, gesellschaftliche Konventionen, den Willen durchzuhalten, einer Abhängigkeit aus Begehren und Begehrt werden und der oft vergessenen aber wichtigsten Liebe, der Selbstliebe. Ein Highlight im auf und letzten Endes auch tiefen ab, der Gefühle und für mich auch ein Stück weit Augenöffner.

Eine Geschichte,teils verstörend teils berührend...

Von: Ayda Datum: 19. May 2019

Schauplatz ist Frankreich/Paris. Wir lernen die Journlistin Adèle kennen. Sie ist verheiratet mit Richard, einem renomierten Arzt und gemeinsam haben sie einen dreijährigen Sohn namens Lucien. Die Ehe ist sehr trostlos und dümpelt vor sich hin. Adèle ist insgesamt mit ihrem Leben sehr unzufrieden, auch der Job füllt sie nicht aus. Sie stürzt sich in die Welt der Affären. Wir verfolgen ihre teils verstörenden Liebschaften bis sie kurz davor ist alles zu verlieren... Von der Autorin habe ich bisher noch kein Buch gelesen. All das zu verlieren ist für mich eine Geschichte, die teils krakhafte Szenen beschreibt und gleichzeitig berührt und zum Nachdenken anregt. Zu Adèle konnte ich keinen Bezug aufbauen, sie war nicht besonders sympathisch wohingegen ihr Mann für mich als Held aus der Geschichte geht. Der Schreibstil von Slimani ist gewöhnungsbedürftig, es sind sehr kurze Sätze, teilweise mit 2-3 Wörtern. Mich konnte das Buch packen und auch wenn für mich die Sexszenen zu viel waren und ich mir mehr über die Entwicklung zwischen ihr und Richard gewünscht hätte, konnte mich das Buch durchaus überzeugen und berühren. Slimani hat einen sehr treffenden Schreibstil,man kann sich sehr gut in die Szene hineinversetzen. Ich werde mit Sicherheit noch weitere Bücher von der Autorin lesen.

All das zu verlieren

Von: Vildan Datum: 19. May 2019

Adele hat eigentlich alles, was sie glücklich machen sollte. Nach außen hin führt sie ein perfektes Leben, dem es an nichts mangelt. Sie arbeitet als Journalistin, ist mit einem erfolgreichen Arzt verheiratet und hat einen kleinen Sohn. Doch all das bedeutet ihr nichts. Sie langweilt sich im Job, ihr Mann kann ihr nicht das geben, was sie braucht und ihren Sohn sieht sie als eine Last, eine Verpflichtung, an die sie sich nicht gewöhnen kann. Sie will begehrt werden, weil sie sonst das Gefühl hat, nicht zu existieren. Im Gegensatz zu anderen Männern, bedeutet Sex für ihren Mann nicht viel; er ist kein leidenschaftlicher Liebhaber und langweilt sich dabei. Adele, die begehrt werden möchte, trifft sich mit Männern und hat Sex mit Fremden. Auf der anderen Seite weiß sie genau, dass sie es sich weder emotional noch finanziell nicht leisten kann, all das zu verlieren. Dieser Roman ist eine moderne Verfassung der Ehebruchromanen und die Figur Adele wird sicherlich in den nächsten Jahren mit Effi Briest, Anna Karenina und Madame Bovary somit auch mit femme fatale und weiblicher Hysterie gleichgestellt. Ich persönlich finde es schade, dass in solchen Romanen die Frauen immer verteufelt werden, denn, obwohl ich mich mit Adele gar nicht identifizieren kann, fällt mir ihre Verzweiflung sofort auf. Leila Slimani zeigt furchtlos, was in einer Frau vor sich geht. Das ist mein erstes Buch von Leila Slimani, wird aber bestimmt nicht das letzte sein.

Wenn die Last der Ehe zu schwer und das Leben selbst zu trostlos ist

Von: Barbaras Bücherbox Datum: 18. May 2019

Adele ist unzufrieden. Jeden Tag, zu fast jeder Minute. Ihre Arbeit als Journalistin ödet sie an. Ihren dreijährigen Sohn empfindet sie als Last und ihren Mann Richard hat sie nur geheiratet, weil er eben der erste war, der sie gefragt hat. Nach außen hin ist Adele schön und lebendig – innerlich aber ist sie tot und verwest. Nur in den kurzen Augenblicken, in denen sie Sex mit Männern hat, die nicht ihr Ehemann sind, glaubt sie, am Leben zu sein – als würde ihr Herz im Takt der Stöße der Männer schlagen. Täglich verstrickt sie sich tiefer in das Meer aus Lügen, das sie aufrechterhält, damit ihr Mann Richard nichts von den anderen Männern ahnt. Täglich schafft sie es seltener, aus dem Meer aufzutauchen, nach Luft zu schnappen, bevor sie erneut in den Strudel gerät, der sie immer weiter hinab in dunkle Tiefe zieht … Von der Kritik verschrien als eine moderne Madam Bovary, ist Adele eine absolut hassenswerte Protagonistin. Sie betrügt pausenlos und scheint zu Empathie oder gar Liebe nicht einmal in der Lage zu sein, und das, obwohl ihr Mann Richard und ihr kleiner Sohn ihr Zuneigung entgegen bringen. Adele kann man als Leser nicht leiden – aber verstehen, ja, das kann man sie. Sie fühlt sich verloren im öden Alltag als Ehefrau, Mutter und Teilzeitjournalistin. Und nur die Augenblicke mit fremden Männern, scheinen ihr ein wenig Erlösung davon zu bringen. Dass es letztendlich nicht gutgehen kann, dass Adele irgendwann untergehen muss, scheint unausweichlich. Das Buch ist abstoßend, es nimmt kein Blatt vor den Mund und reißt die Zäune der Komfortzone um. Gerade das macht es so gut.

Vom Verlust innerer Achtung!

Von: Ro_Ke Datum: 13. May 2019

Meine Meinung: „Die Männer haben sie aus der Kindheit befreit. Sie haben sie aus dem schlammigen Alter herausgeholt, und sie hat ihre kindliche Passivität gegen die Sinnlichkeit einer Geisha eingetauscht.“ Die Perspektive einer von innerer Leere in sexuelle Abenteuer getriebenen Ehefrau und Mutter könnte mir sicher ferner kaum sein und genau darin lag für mich der Reiz, mir diese durch den neuesten Roman von Leïla Slimani be- und greifbar machen zu lassen. Genau das ist der Autorin von Beginn an hervorragend gelungen, denn auch wenn ich keinerlei Sympathie für Adèles Verhaltensweisen empfinden konnte, so erhielt ich in diese sehr eindrucksstarke Einblicke, die von der Autorin durch einen glaubhaften Transport der Gedankenprozesse ihrer Protagonistin verstärkt wurden. Mit dem Bewusstsein, einem nahenden Zusammenbruch entgegenzusteuern, war ich emotional sehr gefangen vom Verlauf der Handlung, die obwohl sie von vulgären Bildern begleitet wird, nie an sprachlicher Ästhetik einbüßt. Den Abschluss bildet ein geschickt platzierter Perspektivwechsel zu Adèles Ehemann Richard, dessen Sichtweise sehr eindringlich/emotional greifbar gestaltet wird und zu einem passenden Ende führt. Fazit: Ein ungewöhnliches aber durchaus gelungenes Porträt und ein sprachlicher Hochgenuss!

Bitterböses Porträt über eine Narzisstin

Von: Bücherwurmin Datum: 12. May 2019

Ein Ehemann, der sich aufarbeitet, um die Familie zu ernähren, eine wunderschöne Wohnung im 18. Pariser Arrondissement und einen kleinen Sohn – all das hat Adèle zu verlieren. Und dennoch: Sie kann nicht anders. Sexsucht, Anorexie, Angststörungen, all das beherrscht ihre Gedanken, ihr Verhalten, ihre Person. Und so konstruiert sie über viele Jahre hinweg in fast schon liebevoller Kleinarbeit ein Doppelleben mit zweitem Laptop, geheimem Handy und einer endlos langen Liste an Affären. Bis ihre größte Angst eines Tages Wirklichkeit wird und ihr Geheimnis auffliegt – mit unerwarteten Folgen. Mit „All das zu verlieren“ gelingt Leïla Slimani ein bitterböses Porträt über eine durch und durch narzisstische Frau, deren viele psychische Baustellen erst nach und nach ihre wahren Ausmaße preisgeben. Während ihre Ess- und Angststörung recht lapidar daherkommen – und damit die Anpassungsfähigkeit vieler chronisch psychosomatisch Erkrankter hervorragend widerspiegeln – schlägt uns Slimani die sexuelle Besessenheit ihrer Protagonistin förmlich ins Gesicht. Mir wurde das beim Lesen teilweise zu anstrengend und an der ein oder anderen Stelle auch zu brutal. Die Entwicklungen, nachdem Adèle auffliegt, sind bedrückend, die Geschichte kippt auf eine völlig andere Weise ins Düstere, und obwohl ich das Buch immer wieder recht aufreibend fand, ergibt es in seiner Gesamtheit vollkommen Sinn, mit all seinen strapaziösen Bildern. Slimani erzeugt mit ihren Worten die gleichen Emotionen in den Lesenden wie sie die Protagonistin durchlebt: Ekel, Schmerz, Fassungslosigkeit und so viele Fragen. Einzig das Ende, das ich nicht vorweg nehmen möchte, hat mich äußerst unbefriedigt zurück gelassen – was trotzdem, irgendwie, zur Geschichte passt.

All das zu verlieren

Von: Miss.mesmerized Datum: 11. May 2019

Adèle hat eigentlich alles, was man sich wünschen kann. Verheiratet mit ihrem erfolgreichen Arzt lebt sie in Paris, hat einen bezaubernden kleinen Sohn und arbeitet mehr zum Zeitvertreib als Journalistin. Nach außen ist das Familienleben perfekt, aber in Adèle tobt ein Krieg, sie lebt ein Leben, das sie nicht will. Geheiratet hat sie nur, weil es günstig war, um aus den bescheidenen Familienverhältnissen zu entfliehen, aber ihr Mann kann ihr nicht geben, was sie braucht. Schon lange ist ihr Liebesleben nicht mehr existent und sie such tagtäglich den Kick. Mal mit fremden Männern, mal mit Bekannten. Sie will begehrt werden, sonst hat sie den Eindruck nicht zu existieren. Ihren Alltag bekommt sie immer weniger in den Griff und zu ihrem Sohn konnte sie nie eine Verbindung aufbauen, denn ihr ganzes Denken dreht sich nur um eines: den nächsten Mann finden, der ihr verfällt. Leïla Slimanis erster Roman erscheint jetzt erst in Deutschland, interessanterweise nach „Sex und Lügen“, das als direkte Reaktion darauf entstanden ist, denn in ihrer marokkanischen Heimat hat man nur wenig begeistert auf das Buch reagiert, das ein Verhalten einer Frau beschreibt, das gegen alle Konventionen ist und scharf verurteilt wurde. Die Geschichte ist eigentlich nur eine Momentaufnahme aus Adèles Leben, denn die Handlung ist recht reduziert. Es reiht sich ein Abenteuer an das nächste, ohne dass es hier eine tatsächliche Entwicklung gäbe. Zwar ahnt man, dass sich der Konflikt zwischen den Ehepartnern zuspitzen muss, was auch geschieht, vor allem nachdem Adèles Mann hinter das Doppelleben kommt und sich gezwungen sieht, darauf zu reagieren, was ihn zunächst einigermaßen überfordert. Die Figur der Adèle ist leider etwas begrenzt in ihrer Komplexität. Ihre Sexsucht steht im Zentrum der Handlung und ihrer Persönlichkeit und alles andere wird diesem untergeordnet. Woher dies kommt, bleibt offen, auch scheint sie wenig reflektiert in Bezug darauf, was die Sucht mit ihr und ihrer Familie macht. Sie wird beherrscht durch das Verlangen und schaltet dabei alle anderen Gedanken aus, was unweigerlich in der Katastrophe enden muss. Psychologisch jedoch in sich stimmig und nachvollziehbar, wie ein Leben durch eine Abhängigkeit egal welcher Art völlig dominiert wird und sich nur noch darum dreht.

Opfer oder Täterin?

Von: MeikeReads Datum: 16. May 2019

(English: Adèle; French Original: Dans le jardin de l'ogre) The protagonist of this book is a sex addict, but this should not mislead you into thinking that this is a novel about sex or that it is in any way erotic: As with every other addiction, it's less about the kind of behavior or substance the addict clings to, but about a person compulsively repeating destructive patterns, desperately trying to fight an emptiness. Although Adèle grew up experiencing her parents' marriage as ordinary and suffocating, she is now, at 37, married to an ordinary doctor (hello, Madame Bovary) and has a little son, because, well, that's what people do. Her main reason for working as a journalist is that her schedule allows for a lot of excuses and cover-ups for her numerous extramarital sexual exploits. Since she was a teenager, Adèle has perceived sex as a means to boost her self-worth, and now - being unhappy with her life and her decisions, but feeling unable to make changes - she obsessively seeks diversion in sex, and we are talking about the kind where she endlessly stares at ceilings and at walls, detecting cracks and signs of water damage while contemplating what she is expected to do, so it's not like she is enjoying herself. Adèle wants to be free, but freedom and sex against societal conventions are not the same thing - our protagonist is in fact miserable. Slimani choses not to give a neat and coherent explanation for Adèle's decisions, she is not excused or even portrayed as particularly likeable. Rather, we get clues, little bits and pieces that hint at the sources of her addiction, her inability to gain real agency over her life, and her efforts to preserve her inner freedom by turning herself into an object for men. The real provocation of the text is that Adèle is suffering from inertia and ennui, i.e., she is egotistical, but there is no denying that she is truly suffering - we as the readers are left to judge her and her decisions. What bothered me a little was the language though: It's not only that it is not lyrical, there even is a mechanical, über-obvious and sometimes bland quality to it, which you can certainly see as fitting if you consider the topic of the book, but it does not make for a captivating sound. There are also some issues with the German translation I listened to (e.g. I assume it's an attempt to translate "gênant", but "genierlich"? Mmmhhh...). So this short novel is slightly flawed, but hey, this was Slimani's debut, and she was certainly not playing it safe, and I appreciate that. Plus there's another dimension to it: In her native Morocco, adultery is a criminal offense, and Slimani, who lives in France, did have the book published there, knowing full well that it would cause a scandal. For her, it was important to adress the topic nevertheless, and I applaud her for it.