Werner Bartens

Betrügen lernen

Betrügen lernen

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Alex ist Verhaltensforscher und beschäftigt sich mit dem Paarungsverhalten von Primaten. Seine Frau Clara ist Urologin und sieht berufsbedingt eindeutig zu viele nackte Männer. Er hat noch viel Liebe zu geben und sucht schüchtern ihre erogenen Zonen. Sie ist genervt von seinen Verführungsversuchen und Vorschlägen zur gemeinschaftlichen Beischlafplanung. Irgendwie lieben sie sich nach langen Ehejahren noch immer. Als seine roten Markierungen im Kalender immer spärlicher werden, entschließt er sich probeweise und um sich selbst zu beweisen, dass er’s noch kann, seine Frau zu betrügen. Kongresse und Vortragsreisen scheinen genug Gelegenheit dazu zu bieten. Doch die eigenen Fantasien in die Tat umzusetzen erweist sich für Alex als sehr viel schwieriger als gedacht.
Mit der ironischen Leichtigkeit eines geborenen Erzählers und der profunden Menschenkenntnis eines Mediziners erzählt Werner Bartens vom Einschlafen des Begehrens und dem Wiederentfachen der Glut, für das man allerdings wissen muss, wie man das Streichholz zu halten hat.

Ein Arzt schreibt über die Liebe

Von: C. Widmann Datum: 04. March 2017

Zehn Jahre verheiratet, zwei Kinder. Alex liebt seine Frau noch immer, und würde gerne öfter kuscheln. Clara liebt ihren Mann noch immer, und wünscht sich, er würde sich mehr für sie und für ihre Ehe interessieren und nicht nur versuchen, auf ihre Seite des Bettes zu kommen. So weit die Ausgangssituation, allzu alltäglich bei vielen Paaren, denen zwischen Berufs- und Familienleben die Beziehung abhanden gekommen ist. Nicht ganz so alltäglich die Hauptdarsteller: Er ist Affenforscher, und vergleicht das Paar- und Paarungsverhalten von Homo sapiens insgeheim mit dem der verschiedensten Tierarten. Sie dagegen ist Urologin, und wundert sich jeden Tag aufs neue darüber, dass Männer eine Krebsdiagnose leichter wegstecken als eine Erektionsstörung. Und die Hotelzimmertür auf dem Buchdeckel? Während Clara sich nach mehr Romantik sehnt und anfängt, in ein Paarberatungs-Seminar zu gehen, das eher dazu geeignet ist, Paare auseinander zu bringen als wieder zusammen, fragt sich Alex, ob er überhaupt noch irgendeine Frau für sich begeistern kann, und beschließt auf einer seiner Vortragsreisen, eine Affäre anzufangen. Allerdings steht ihm dabei seine Tollpatschigkeit gewaltig im Weg. Oder ist es die Treue zu seiner Frau? Dass Werner Bartens schreiben kann, wusste ich bereits; sein "Was hab ich bloß?" ist wahrscheinlich das amüsanteste Sachbuch, das man über Krankheiten finden kann. Mit "Betrügen lernen" beweist Bartens, dass er auch Romane schreiben kann, und zwar mit mindestens genau so viel Durchblick und Humor.