Offen über Sex sprechen: Wie du vorsichtig Kritik üben und Wünsche äußern kannst

Über Sex sprechen in der Beziehung

Es ist erstaunlich: Paare, die vollkommen selbstverständlich, vielleicht sogar über viele Jahre hinweg, miteinander Sex haben, tun sich manchmal wirklich schwer damit, miteinander über ihr eigenes, gemeinsames Sexleben zu sprechen. Das ist schade, denn offene Kommunikation über Sex macht den Sex natürlich fast automatisch besser: Wer genau sagt, was er:sie mag oder ausprobieren möchte, gibt dem:der Partner:in eine Chance, genau darauf zu reagieren. Woran kann dieses große Schweigen in Bezug auf Sex liegen? Und wie kannst du mit deinem:deiner Partner:in offener über Sex sprechen?

Warum tun wir uns so schwer damit, mit unserem:unserer Partner:in über Sex zu sprechen?

Angst, den:die Partner:in zu verletzen

Mit einem Gespräch über Sex begibt man sich auf ein sehr intimes Terrain, und im Bereich unserer Sexualität sind wir fast alle verletzlich, schließlich geht es um unser Innerstes, um unser entblößtes Selbst – im wahrsten Sinne des Wortes. Deshalb tut etwa Kritik an dem eigenen sexuellen Verhalten natürlich weh, und ein:e Partner:in, der:die etwas zu kritisieren hat, weiß, welche Gefühle der Scham, Verletztheit und Unsicherheit das bei seiner:ihrer großen Liebe auslösen kann. Umso mehr, wenn es um etwas geht, was er:sie seit langer Zeit wie selbstverständlich macht. Du hast beim Oralsex ganz bestimmte Bedürfnisse, die dein:e Partner:in noch nie erfüllt hat, weil er:sie sie einfach nicht kennt? Er:sie wird natürlich den ganzen Oralsex der letzten Jahre infrage stellen, wenn du ihm:ihr das nach Jahren erst sagst. Es gibt eine Stellung, die dich langweilt, die aber dein:e Partner:in immer wieder einnimmt? Er:sie wird die Welt nicht mehr verstehen, wenn du das nach dem 100. Sex in dieser Stellung aussprichst. Und vielleicht wird er:sie auch traurig sein, weil er:sie die Stellung ganz besonders genießt.

Angst vor Zurückweisung

Und dann ist da natürlich auch noch die Angst, zurückgewiesen zu werden, wenn man bestimmte, vielleicht eher extravagante Wünsche wie einen Dreier, Analsex, einen Besuch im Swingerclub oder Fesselspiele, äußert. Was ist, wenn der:die Partner:in die eigenen sexuellen Bedürfnisse befremdlich oder gar ekelig findet? Das ist nicht nur erniedrigend und frustrierend, sondern sorgt auch für eine seltsame, angespannte Situation nach dem Gespräch.

Kein passender Zeitpunkt

Oft fehlt auch der richtige Zeitpunkt. Vor dem Sex möchte man vielleicht die romantische, sinnliche Stimmung nicht verderben, nach dem Sex fühlt es sich unpassend an, direkt Wünsche für das nächste Mal oder gar Kritik zu äußern. Und einfach so, im Alltag? Da muss man ja erstmal den richtigen Moment abpassen, um plötzlich ein Gespräch über das gemeinsame Sexleben einzuleiten. Und wann soll dieser denn bloß sein? Am Frühstückstisch, wenn man fast schon los muss, um die Aufgaben des Alltags zu bewältigen? Abends, nach einem langen Arbeitstag? Am Wochenende, wenn die Kinder in der Wohnung herumwuseln? Während einer gemeinsamen Autofahrt? Für ein intimes Gespräch über Sex wirken viele Situationen einfach unpassend. Dafür ist das Thema einfach nicht banal und unverfänglich genug, so selbstverständlich es auch sein sollte.

Aus sich heraus kommen: So beginnst du ein Gespräch über Sex

Wenn sich kein Gespräch ergibt: Mach einen Termin aus

Wenn also ein Gespräch über Sex unmittelbar vor dem Sex unpassend ist, direkt danach ebenfalls und mitten im Alltag auch – wann soll man denn nun überhaupt über Sex sprechen? Wichtig ist eine entspannte Atmosphäre ohne Zeitdruck. Vielleicht bekommst du es hin, dass sich das Gespräch einfach so ergibt, während ihr einen ganz entspannten Wochenendabend zu zweit verbringt oder zusammen spazieren geht. Und wenn nicht, könnte es helfen, einen Termin dafür auszumachen: „Heute Abend würde ich gerne etwas mit dir besprechen“. Das machst du vielleicht auch mit anderen wichtigen Dingen, die unbedingt besprochen werden müssen, und zumindest bist du dann im Zugzwang und kannst kaum noch einen Rückzieher machen.

Überlege, was du sagst und welche Worte zu benutzt

Überlege dir zuvor, was du sagen möchtest und wie du es sagen möchtest. Das Vokabular über Sex ist heikel – es gibt Begriffe, die sich sehr klinisch anhören, andere wirken sehr vulgär. Beides könnte abschreckend wirken, oder aber direkt ins Schwarze treffen. Du kennst deine:n Partner:in – mit welchen Begriffen fühlt er:sie sich am wohlsten? Nennst du den Akt zwischen euch ganz einfach „Sex“, sagst du sanft „miteinander schlafen“ oder kommt es bei ihm:ihr am besten an, wenn du etwas vulgär vom „Vögeln“ sprichst?

„Bettgeflüster“: Der Ratgeber von Andrea Bräu

Die Paar- und Sexualtherapeutin Andrea Bräu hat dem Thema ein ganzes Buch gewidmet. Aus ihrer Praxiserfahrung heraus weiß sie, wie schwer es vielen Paaren fällen, über Sex zu sprechen. In ihrem Buch „Bettgeflüster. Die besten Kommunikationstipps für Paare“ gibt sie wertvolle Tipps dazu, wie du und dein:e Partner:in die Kommunikation über euer Sexleben verbessern könnt. Wenn ihr beide euch wirklich schwer damit tut, über Sex zu sprechen, du aber zugleich wirklich Redebedarf hast, lohnt es sich, sich die Ratschläge der Expertin durchzulesen.

Was, denn dein:e Partner:in blockt?

Du versuchst, ein Gespräch über Sex einzuleiten, doch dein:e Partner:in blockt ab, zieht es ins Lächerliche oder beginnt nervös zu stottern und du merkst, dass er:sie sich überhaupt nicht wohl dabei fühlt, nun über euer Sexleben zu reden.

Das ist schade, aber nimm es ihm:ihr nicht übel. Einige Menschen tun sich einfach extrem schwer damit, bei diesem Thema die richtigen Worte zu finden. Aber zwei Dinge könntest du ausprobieren – vielleicht klappt’s ja:

  1. Versuch direkt während eures Liebesspiels mit ihm:ihr zu kommunizieren. Frage ihn:sie, was jetzt gerade schön wäre, ob ihm:ihr diese eine Berührung gefällt, auf welche Stellung er:sie Lust hätte. Vielleicht fällt es ihm:ihr leichter, im Moment der höchsten Erregung über Sex zu sprechen oder er:sie kann seine:ihre Wünsche direkt umsetzen, ohne sie mit Worten formulieren zu müssen.
  2. Lege deinem:deiner Partner:in einen Zettel und einen Stift hin und bitte ihn:sie, seine:ihre Gedanken rund um euer Sexleben schriftlich zu formulieren. Vielleicht tut er:sie sich leichter, wenn er:sie nicht direkt im Gespräch mit dir die richtigen Worte finden muss, beim Formulieren mit sich alleine sein darf und nachdenken kann.

Andrea Bräu

Bettgeflüster

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Sex und Erotik sind in der heutigen Zeit fast allgegenwärtig: im Fernsehen, in der Werbung oder in Zeitschriften. Im Privaten herrscht dagegen oft Sprachlosigkeit. Das äußert sich nicht nur an der fehlenden Kommunikation über Vorlieben und Wünsche, sondern auch am Vokabular, mit dem wir über Sex reden. Als Paar MÜSSEN Sie aber spätestens dann über Sex sprechen, wenn Sie ihn haben wollen. Aber wie geht das? Wie sagen Sie nur, was Sie gern hätten? Oder was Ihnen nicht gefällt? Gibt es auch nonverbale Kommunikationsmöglichkeiten? Was ist Dirty-Talk und macht das an?

Andrea Bräu weiß, wie groß das Schweigen in deutschen Schlafzimmern ist, wie groß die Scham und der Frust sind. Sie weiß aber auch, wie Sie das ändern können. Mithilfe dieses Buches kommen wieder Leben und Lust ins Bett. Und das ist gar nicht so schwer. Andrea Bräu erzählt aus ihrer Praxis, leistet Hilfestellung und gibt erstaunlich einfache sowie spannende Anregungen an die Hand, mit der Sie die Kommunikation und damit den Sex in Ihrer Partnerschaft verbessern können. Für eine aufregende, schöne und lebendige Erotik!

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